Katzen in Not – oder Not macht erfinderisch

Not macht erfinderisch, das ist ein bekannter Spruch. Ob dieses Sinnbild in der heutigen Zeit eher selten oder häufig – wegen viel genannter Wirtschaftskrise – zutrifft, nun, darüber kann man spekulieren, philosophieren oder Statistiken zur Hand nehmen. Oder einfach nur die Nachrichten verfolgen und ihnen glauben, das geht auch.

Ich kann nur von mir sprechen, denn auf meine Katzen und mich treffen die notwendigen Erfindungen zu. Wirtschaftskrise, gute oder schlechte Zeiten –  das interessiert wilde Katzen nicht. Sie müssen etwas zu beißen haben, sonst leben sie nicht lange.

Das alles interessiert auch das jeweilige Umfeld nicht, wo ich wegen guter Wirtschaftslage Paläste für Katzen errichten könnte. Wasserdicht, gesichert, warm und mit sauberem Futter und Wasserangebot bestückt. Wo ich offiziell ein Gelände betreten dürfte, von dem mich niemand herunterschmeißt und wo kein Autofahrer mit Absicht auf sein voluminöses Gaspedal tritt, sobald er ein Katzentier über die Straße laufen sieht. Wo Gift ein Fremdwort ist, wo intelligent gehandelt und das jeweilige Problem an der Wurzel gepackt wird, wo alle zusammen ihren Mitgeschöpfen helfen, wo diese Lebewesen behandelt werden wie Freunde oder zumindest wie die eigenen Haustiere – und nicht wie Dreck.

Ein Traum, wie ich es in einem Märchen beschreiben würde, damit Kinder an das Gute im Menschen glauben.

Ich lasse es, denn ich würde lügen.

Die Erfahrung lehrt, dass kaum eine Katze älter als zwei Jahre ist, wenn sie gefangen wurde und wenn sie bis dato kein Futter bekam. Ich habe in den Jahren höchstens vier alte Katzen oder Kater erlebt, die ohne menschliche Zufütterung älter als zwei Jahre werden konnten.

Nun wollen wir die Population selbstverständlich nicht in die Höhe treiben, deshalb schlagen wir uns die Freizeit um die Ohren und stellen Fallen auf, bringen Tiere zum Tierarzt, holen sie ab, bringen sie bis zur Ausheilung unter, versuchen sie in ein tierfreundlicheres Gebiet umzusiedeln, aber sorgen uns ab Tag des Kennenlernens täglich um eine möglichst machbar gesunde Ernährung.

Selbstredend trifft man ebenfalls täglich auf Gegner, die diesen Mist für Überflüssig und Zeitverschwendung halten. Sollte zwar jedem selbst überlassen bleiben, aber es gibt immer  diese Gutmenschen, die sich angeblich um ihre Mitmenschen sorgen. Die aus bewusst billig bis umsonst errichteten Futterstellen ein Chaos fabrizieren, denen der Kopf fast vom Hals fällt, weil sie aus dem Schütteln nicht mehr herauskommen. Diese Gegner, die sich anscheinend verfolgt fühlen, weil sie irgendwann von schwarzen Katzen und deren angeblich böser Stärken hörten. Diese täglich auftauchenden, jederzeit austauschbaren Gegner, die denn doch viel lieber nur an sich denken, an sich und ihre innig  geliebte Familie, die so sehr unter Not leidet, dass kein Platz für Verständnis, oder mal bewusst nach links oder rechts zu sehen, übrig bliebt. Nein, das geht gar nicht. Nicht in der damaligen Zeit und auch heutzutage nicht. Wirtschaft, Krise oder nicht.

Deshalb konkretisiere ich hier auch keinen Standort, denn diese Futterstellen können an jedem Hafen sein. Erst vor ein paar Tagen sprach ich mit „dem Chinamann“. Er ist ein alteingesessener Mechaniker, der eine Motorradwerkstatt betreibt und den kastrierten Kater seines Vorgängers übernahm. Ein vorbildliches Verhalten, wie ich finde, zumal das Tier regelmäßig geimpft wird. Dieser Kater stammt aus einem Tierheim, ursprünglich gegen Mäuseplage angeschafft. Dieser Kater besitzt eine Katzenklappe zur Werkstatt, Decke, Futter, Wasser und Fürsorge. Ihm geht es gut, wenn man ihn kennt. Er läuft im Hafengebiet herum, wie andere wilde Katzen oder Kater. Er saß auch schon einmal treuherzig  in einer Falle und wenn man sich vorab nicht interessiert hätte, weil man die Katzenklappe in der Werkstatttür gesehen hatte und nachfragte, dann wäre zahmer, zivilisierter Kater eventuell festgehalten und vermittelt worden. Also leben solche Menschen gutgläubig, weil (ohne Vorurteil) vielleicht Buddha ein Auge auf den Kater wirft?

Ich besuchte den Chinamann vor ein paar Tagen, da ich seinen Kater seit längerer Zeit nicht gesehen hatte.

Doch, dem würde es gut gehen, nur im vergangenen Jahr musste er dreimal mit ihm zum Tierarzt, weil es ihm sehr schlecht ging. Die jeweilige Diagnose: Er hatte Gift zu sich genommen.

Das lässt mich diesen ziemlich bösen Beitrag schreiben, weil ich einfach die Schnauze voll habe und dennoch ist es sinnlos. Jeder gelungene  Tag ist ein glücklicher Tag und wenn selbst ein gut genährter zahmer Kater Gift aufnimmt und nur  durch seine Verbindung zum Chinamann überleben  kann, was ist mit den wilden Katzen, die sich nicht zeigen, wenn es ihnen schlecht geht? Die verrecken, die verrecken elendig und diese besserwisserischen Monster, diese Verursacher, diese Giftausleger bekommen davon genauso wenig mit wie ich. Nur, ich mache mir Sorgen, wenn ich Katzen vermisse und ich finde sie eventuell, weil ich wie ein Indianer durch Gebüsche kriechen, über Tore und Zäune klettern muss,  weil diese Monster das so wollen. Versteht IHR das nicht? Was wollt IHR erreichen?

Vor drei Jahren ging bereits ein Gerücht um und in jedem Gerücht steckt ein Körnchen Wahrheit. Nicht nur ich schrieb das Hafenamt an, auch Frau N. telefonierte. Die Antworten waren immer die gleichen: „Gift? So etwas würden wir nie tun!“ Sollte diese Aussage stimmen, dann sind es Firmen, die eigenhändig und ohne Strafe so etwas tun. Schleichend, unauffällig und versteckt. Feige und Nichtsnutz!

Im ach so tierlieben  Deutschland ist es nicht viel besser als zum Beispiel in Bulgarien, von dem das vorhin beschriebene Buch handelt. In Bulgarien geht es mit Hunden zu, wie es im ach so tierlieben Deutschland bereits  seit Jahren mit Katzen zugeht. Sie fallen nur nicht so „lästig“ auf!  Nicht nur in Bulgarien werden Hunde gefangen, kastriert und wieder ausgesetzt. Es werden Futterstellen eingerichtet, um die sich die angeblich dämlichen Idioten kümmern. Hier sind es seit langem die Katzen, die bisher nicht alle zivilisierten Menschen stören, lediglich einige. Nur einige, die sich bei Arbeitszusatz winden und den armseligen Kopf in den Sand stecken. Die sich dennoch ohne Auftrag  verpflichtet fühlen Katzen zu bekämpfen, damit… ja warum eigentlich? Sind das schlaue Leute, die sich auskennen? Womit kennen sie sich aus? Oder sind das die wirklich, wirklich dummen Menschen, die engstirnigen, die sich belästigt fühlenden, sobald ein Kindergarten in ihrer Nähe eingerichtet wird?

Ich weiß es nicht, und ich möchte mich heute auch nicht weiter aufregen. Das kommt wieder früh genug, spätestens am Montag, nachdem meine Wochenendvertretung, in Form des Herrn L., Bericht erstattet hat, welche Katzen er sah, wie viel Futter und so weiter.

Eigentlich wollte ich von „Not macht erfinderisch“ schreiben und von Taschenwärmer, die ich von Christine geschenkt bekam. Acht Stück, die sie preiswert bei Ebay ersteigert hatte und von denen sie meinte: „Damit kannst du bestimmt was anfangen.“

Ja, konnte ich und nachdem ich auf den Trichter kam, sind diese Taschenwärmer nun unverzichtbar. Jeder Taschenwärmer beinhaltet ein halbrundes  Metallstück. Das muss man knicken und sofort verfestigt sich das bis dahin flüssige Wachs, wird formbar und warm. Gefüllte , schwere Futterschale sofort auf das Wachs gedrückt, so nimmt es die Form an.

Eine unglaublich gute Erfindung, denn diese kleinen viereckigen Teile halten, bei momentaner Witterung oder bei noch tieferen Temperaturen, Futter warm! Zwei davon unter eine große Schale gedrückt und passt. Ich bin begeistert, zumal sich jeder Taschenwärmer ungefähr 500 Mal verwenden lässt. Natürlich nicht einfach so, da hilft weder Gott noch Buddha. Da muss Mensch aktiv werden, Hölzchen mühevoll aneinanderreiben, Feuerstelle entfachen  und täglich ein frisches Süppchen kochen. Ein Taschenwärmersüppchen braucht zehn Minuten mit kochendem Wasser und schon ist das Wachs wieder bereit, Wärme abzugeben und Futter zumindest für eine Stunde in annehmbaren Zustand zu halten.

Aber auch das passt, denn Katzen sind alles, nur nicht dumm. Selbst wenn eine neue Futterstelle eingerichtet wurde, spricht sich das schnell herum. Eine Stunde Wärme. Mensch muss pünktlich sein, denn Katzen sind es garantiert  – auch ohne Uhr.

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3 Kommentare zu “Katzen in Not – oder Not macht erfinderisch

  1. Du bist einfach klasse! Hut ab!!!
    Ich habe auch an meinem alten Wohnort sehr lange wildlebende Katzen gepflegt und diese mit Lebendfallen zum TA gebracht, um sie kastrieren zu lassen.
    Meine Kimbi durfte zu dieser Zeit auch noch stundenweise raus und ich musste am Fenster miterleben, wie ein rücksichtsloser Hundebesitzer sein Tier auf sie hetzte. In allerletzter Minute konnte sie sich auf einen Baum flüchten. Die Reaktion des Hundebesitzers, von wegen „Mein Hund hat sie ja nicht gekriegt, machen Sie also hier keinen Aufstand!“ jat mich dabei noch mehr geschockt.
    Ende vom Lied war, dass sich Kimba immer wieder auf hohe Bäume flüchtete und ich sie dort ganze 4x mit der Leiter runterholen musste.
    Zu dieser Zeit waren auch mal wieder die Katzenfänger unterwegs, als ich mich dann dagegen einsetzte, musste ich mir von Vielen auch erhebliche Frechheiten anhören.
    Man hat`s nicht leicht, wenn man sich heutzutage für Tiere einsetzt aber mittlerweile ist mir das egal.
    Lass‘ die Leute reden, jedes gerettete Seelchen ist es wert.
    LG Nadine

  2. Hallo Nadine,

    das ist interessant, dann bist Du ja sozusagen eine „Kollegin“! 😉

    Stimmt, manche Hundespezies kennen nur sich und ihren Hund, was in 99 Fällen ein Rassetier ist.
    Angeblich sind sie dadurch ein Tierfreund, aber weit, weit gefehlt.

    Ja, man kann nur die Faust in der Tasche ballen, und darf sich nicht unterkriegen lassen.

    Liebe Grüße
    Sabine

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