Viele Grüße von Emmy und Maxi

Diese beiden Zufallsfundkatzen wären eventuell  im Nimmerland verschwunden, wenn sie nicht Ende September 2010 in die offen stehende Falle gegangen wären. Vielleicht würden sie gar nicht mehr leben, denn im dortigen Hafengebiet verändert sich das Umfeld ständig. Katzen verschwinden scheinbar spurlos, neue tauchen auf und ich wundere mich nicht mehr, dass Katzenfutterstellen wie ein Magnet auf Gegner zu wirken scheinen. Entweder wird ein Futterplatz als Toilette benutzt oder ein Unterstand zum wiederholten Male zerstört. Ich wundere mich auch nicht mehr, dass genau an solch einer Stelle die Straße aufgerissen wird, neue Abwasserrohre gelegt werden müssen und mich ein Mensch beobachtet. Ein kluger Arbeiter, der anscheinend nichts wichtigeres zu tun hat, als nach meinem Abgang hinter den Zaun des Firmengeländes zu greifen, Futterschalen, die bereits mit Absicht hinter diesem Zaun versteckt werden, zu begutachten, auszukippen und in der Landschaft zu verteilen. Wilde Katzen leben in den  wenigen Möglichkeiten, die ihnen zur Verfügung stehen und sei es ehemalige Silos, wo die produzierende Firma längst nicht mehr existiert und diese Silos nach  fast achtzig Jahren Bestand jetzt, und mit Ohrenbetäubendem Radau dem Erdboden gleich gemacht werden. Das war Emmy und Maxis Zuhause.

Wer die Geschichte nicht kennt, hier in Kürze: An einer meiner Futterstellen sah ich seit einigen Wochen und beinahe regelmäßig eine getigerte und sehr scheue Katze. Sie wartete, bis ich mich entfernte und erst danach schlich sie zum gefüllten Futternapf. Sie war neu und ich habe keine Ahnung, wo sie herstammt oder sich vorher aufhielt.

Für einen verantwortungsbewußten Tierschützer ist es Pflicht, sich nicht nur um die Versorgung der Tiere zu kümmern, sondern in erster Linie um Kastration und Gesunderhaltung. Wer sich nicht damit auskennt, kann bei der Polizei und örtlichen Tierheimen fragen. Es findet sich immer eine Lösung und viel Katzenelend wäre bereits verhindert worden, wenn nicht jeder als erstes „nur“ ans Füttern denken würde.

Nachdem ich  zwei Tage lang kein Futter an diese Stelle gab und eines Abends  eine Falle aufgestellt wurde, ging nicht die getigerte Katze  hinein, sondern nach und nach zwei drei Monate junge Minitiger, die ich bisher nie gesehen hatte, von deren Existenz ich nichts wusste. Sie hatten bei Helligkeit in der perfekten Deckung gelebt, nur ihre Mutter zeigte sich öffentlich. Erst im Anschluss tat es ihnen die Mutter gleich und ließ sich fangen. Nicht wirklich freiwillig, sondern weil sie ebenfalls hungrig war.

Viele Versorger haben genau davor Angst, dass eine Katze – und alle anderen Tiere des Rudels  –  erst hungern muss, bevor sie gefangen werden kann. Aber es funktioniert nicht anders und mit zwei Tage hungern wird zig Nachkommen ein eventuell unheilvolles Leben erspart!

Die beiden Minitiger wurden zuerst in einer Dachkammer untergebracht, eine Woche lang zusammen mit ihrer inzwischen kastrierten Mutter. Anschließend musste die Mutterkatze wieder an selbiger Stelle frei gelassen werden, denn nach einer Woche Beobachtung war ziemlich klar zu erkennen, dass sie nichts anderes wünschte, als in Freiheit zu leben.

Die beiden Minitiger kamen zu mir, wurden eine Woche lang in einem großen Hasenstall untergebracht, da sie bereits zwischen den Welten lebten, was Zutraulichkeit den Zweibeinern gegenüber anbelangt und ihrer von Grund auf  erlernten Wildheit – und wurden „berühmt“.  Emmy und Maxi nannte ich sie und hatte bisher kein unterschiedlicheres Katzen – Geschwisterpärchen kennen gelernt. Emmy die Misstrauische, und Maxi die Gelassene. Wie sich die beiden entwickelten kann hier nachgelesen werden. Dass die beiden auch noch zusammen ein Zuhause finden konnten, gehört zu ihrem außergewöhnlichen Werdegang dazu.

Nun also die neuesten Neuigkeiten aus „Katzenhausen“, wo man sieht, dass Emmy immer noch Hin und Her gerissen ist, was ihre zwei Welten anbelangt, aber wo man ebenso sieht, dass Emmiken Fortschritte gemacht hat, was ihr Vertrauen zu den Menschen betrifft. Selbstverständlich nur den Menschen gegenüber, denen sie ihr winzig vorhandenes Vertrauen  schenkt. Das Geschenk einer wilden Katze, die nie gezwungen wurde.

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3 Kommentare zu “Viele Grüße von Emmy und Maxi

  1. Danke für dieses schöne Video!
    Ich freue mich so sehr, dass es bei den beiden ein so tolles Happy End gegeben hat 🙂
    Und was das Scheue betrifft, so kenne ich das ja von meinem Flöhchen. Sie stammt auch von wilden Eltern und wird auch immer scheuer als alle anderen bleiben.
    Trotzdem hat sie mir (und nur mir!) gegenüber inzwischen ein großes Vertrauen aufgebaut 🙂
    Liebe Grüße,
    Sylvia

  2. Danke, Sylvia!
    Sobald ich es schaffe gibt es neueste Neuigkeiten von den zwei Ex-Stinkerchen. Was das Vertrauen anbelangt und den ersten Freigang. 😉

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