Abenteuer mit Abenteurern …

… die kann man mit Katzen jederzeit erleben.

Zwei Beispiele der vergangenen Wochen, in denen diese Miezen einige Nerven kosteten, deren  Abenteuer aber zum Glück glimpflich und überraschend ausgingen.

Beispiel Kater Siggi, der in demselben Gewerbegebiet gefangen wurde, wie Luci und Anitka. Er wurde kastriert und stellte sich ebenfalls als halbzahm oder halbwild heraus, also auf jeden Fall eines der Tiere,  über die man nachdenken muss. Nachdenken darüber, wie man die Lebensumstände dieses Katers verbessern kann. Nachdenken darüber, für welche Art von Zuhause er sich eignet, was er mag oder nicht.

Nun, ein Bauernhof passt eigentlich immer, da speziell die „sich noch nicht entschieden haben“ Samtpfoten dort scheinbar paradiesische Zustände vorfinden. Sie können in Scheunen und Heuschobern oder Ställen unterschlüpfen, vielleicht sogar irgendwann ins Wohnhaus. Sie haben viele Aufgaben und dürfen sich die Nächte in sicherer Umgebung um die Ohren schlagen, über Land streichen, Kumpel treffen und Mäuse jagen, bis sie keine Lust mehr haben.

All das stellt Mensch sich so vor und manchmal entspricht es den Tatsachen. Bauernhöfe sind jedoch meist in fester Katzenpfote und werden bereits von einer Vielzahl Katzen bewohnt, so dass es sich kaum lohnt überhaupt einen fragenden Versuch zu starten. Aber man soll bekanntlich nie aufgeben und wie der glückliche Zufall es wollte, konnte Siggi auf einen Bauernhof umsiedeln, ungefähr zwanzig Kilometer von seiner ursprünglichen Heimat entfernt. Eine Festsetzmöglichkeit gab es für Siggi nicht; eine Nacht in einer Box, wo er sich anschauen konnte wo er sich befand, aber dann durfte / musste er raus.

Diese Methode gleicht einem Pokerspiel, denn in einigen Fällen verliert der Gutmeinende Tierschützer und die jeweilige Katze wird nie wieder gesehen. Manchmal reichen zwei Tage und die Katzen bleiben an ihrer neuen Stelle. Es gibt auch Fälle, bei denen sie nach nur einer Nacht auf ewig bleiben. Manch einer ist der Meinung, dass ein Umsetzen einem Aussetzen gleicht, aber man macht es nicht aus Freude am Nervenkitzel, sondern damit diese Tiere eine regelmäßige Versorgung, Unterschlupf, eventuellen Familienanschluss und bessere Lebensmöglichkeiten bekommen. Wie gesagt, dennoch ist und bleibt es ein Pokerspiel, da man Katzen nicht wie Hunde an eine Leine binden kann.

Siggi war somit einer derer, der die geringste Eingewöhnungszeit geboten bekommen konnte, aber zumindest rannte er nicht fluchtartig davon, sondern war innerhalb der wenigen Stunden neugierig geworden. Neugierig auf sein neues Revier, das sich erst einmal erkämpft werden musste. Eben typisch Siggi, der bereits Tage auf  bekanntem Dachboden zubringen musste, zwar in seine gewohnte Freiheit wollte, aber inzwischen lässig abwartete. Nach dem Gang aus seiner Box  wurde er unsichtbar und die Angst war groß, ob nun Full House oder  Busted Hand. Die Besitzer des Hofes riefen die Katzennothilfe an, von der sie Siggi übernommen hatten, aber erst einmal: Abwarten, denn in der Umgebung war kein überfahrenes Tier gesichtet worden.

Nach zwei Tagen tauchte Siggi putzmunter wieder auf, scheinbar hatte er sich umgesehen. Er mampfte sein Futter und alles schien gut ausgegangen. Bis Weihnachten, wo Siggi erneut untertauchte. Diesmal schaute er sich jedoch ausführlicher um und wurde zwei Wochen lang nicht gesehen. Es wurde eine Falle aufgestellt, aber kein Siggi ging hinein, denn Siggi war längst nicht mehr da.

Er hatte Glück im Unglück, ebenso alle Beteiligten. Siggi war gewandert, ihm schien der Bauernhof nicht zu gefallen. Er wanderte über Straßen, durch die benachbarte Stadt. Über zig Ecken bekam die Katzennothilfe Kitty e.V. ein Foto zugemailt, mit der Frage ob dieser Kater bekannt sei:

Öhh ja, eindeutig Siggi! Aber wo war er? Wer hatte dieses Foto gemacht?

Siggi lebt nun vorübergehend oder für immer in seinem selbst auserwählten Zuhause. In der benachbarten Stadt, wo ihm sein Fundmensch Futter gibt,  Fotos knipsen und in die Tierschutzwelt schicken kann, der einen Garten inklusive Wintergarten besitzt. Und das Schönste:  Der sagt, dass Siggi bei ihm bleiben darf … wenn er denn mag.

Das zweite Beispiel handelt von Katze Stella, ehemals Bienchen.

In diesem Gewerbegebiet befindet sich sprichwörtlich ein Nest, denn auch Stella wurde dort gefangen, stellte sich als wankelmütig und somit nachdenkenswert heraus. Sie überlebte über ein Jahr in diesem Gebiet, wurde gefangen, kastriert und konnte vermittelt werden.

Sie war die erste wild aufgewachsene Katze, die Familie R. aufnahm und in ihrem separaten Anbau am Wohnhaus unterbrachte. Stella war frisch operiert, das schützende Fell am Bauch abrasiert, somit lebte sie in dem beheizten Anbau mit Fensterfront zum Garten  ideal geschützt und versorgt.  Der Winter kam früh und heftig, somit hatte Stella die beste Chance gesund zu überleben und sich auf ihr zukünftiges Leben vorzubereiten: Großer Garten, ringsum Felder, Wiesen, Reiter – und Bauernhöfe, kein Autoverkehr. Stellas Lieblingsplätze befinden sich unter der Heizung oder auf der Fensterbank, von wo aus sie in den Garten sehen kann, oder hinter einem Holzstapel, falls es hektisch wird. Hektisch wurde es, als die Minitiger Emmy und Maxi die dritten im Bunde wurden und den Anbau auf den Kopf stellten. Jedenfalls wurde Stella nicht mehr gesehen und Familie R. suchte in sämtlichen Ecken. Aber Stella war fort.

Familie R. achtete auf jede Bewegungen im Garten und verfolgte Spuren im Schnee, denn Stella musste auf einen für sie günstigen Moment gewartet haben und ungesehen entfleucht sein. Geflüchtet war sie nicht, denn das an der Tür gereichte Futter war regelmäßig fort und Spuren im Schnee waren eindeutig die einer Katze. Die Frage trat auf, ob es sich um ein Nachbarstier oder um Stella handelte. Die vereinzelten Katzenspuren führten durch den Garten, direkt am Fenster vorbei, hinaus aufs Feld und nahe am Zaun entlang zu einem großen Gebäude.

Eines Tages verfolgte Herr R. diese Spur und stellte fest, dass dieses Gebäude eine Art Heuschober darstellt. Nun, wenn Stella diesen Unterschlupf gefunden haben sollte, dann konnte ihr wenig passieren, aber trotzdem musste man Gewissheit bekommen und das funktionierte in diesem Fall ebenfalls nur mit einer Falle. Falls es sich um Stella handelte, die Spuren hinterließ und das Futter vertilgte, dann konnte davon ausgegangen werden, dass sie es sich  unter der Heizung gemütlich machen wollte, nur kam sie nicht hinein, da bisher eine Katzenklappe fehlt, wegen Emmy und Maxi. Ihren gebotenen Unterschlupf neben der Tür nutzte sie jedenfalls nicht, Stella zog den Weg zum Heuschober vor.

Montags wurde die Lebendfalle aufgestellt und wie Stellas gebotener Unterschlupf kaschiert, dienstags war sie drin und somit wieder da. Stella schien froh zu sein die gebotene Wärme wieder nutzen zu können, sie war weder verletzt noch krank in Form einer Erkältung.

Stellas Beispiel zeigt, dass eine Katze, die Wochenlang die Möglichkeit zur Integrierung hat, ihr Umfeld als Zuhause akzeptiert. Ausnahmen gibt es immer wieder; es bleibt somit ein Pokerspiel, speziell wenn es sich um habwilde oder halbzahme Tiere handelt.

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