Zur Abwechslung – ein Gedicht von Sarah Kirsch

das sich zu meiner Verblüffung auf vielen Homepagen über Katzen als Katzengedicht findet.

Zwar wird dort von einer Katze berichtet, aber das ist eher eine Umschreibung für den noch nachwirkenden Geist des unter Lenin eingeführten Terrorregimes und  Zensur, die leninische Vorliebe für Katzen diente nur als Metapher, sowie die Geschmeidigkeit von Katzen nur als Gleichnis diente, und  der Titel des Gedichtes ist eine Anspielung auf das diktaturverherrlichende  Gedicht: Im Kreml brennt noch Licht  von Erich Weinert.

Aber Sarah Kirsch kennt die Katzen, ist ebenfalls eine bekennende Katzenfreundin , eins ihrer Bücher heißt: Die Regenkatze, man kann drin blättern hier

Im Kreml noch Licht

Das ist Lenins weiße Katze
Jede Nacht macht sie Patrouille
Ihre ernsten grünen Augen
Sehen pünktlich aus dem Fenster

Sie frisst ungeratnes Schreibwerk
Stößt die Tinte mit der Pfote
Um dass nichts zu lesen ist:
Mascha kann durch alle Türen

Und wenn Posten davor stehen
Kneift sie ihre Augen zu
Steuert mit dem Sichelschwanz
Sicher durch die schwarzen Stiefel

Zeigt das Glockenspiel den Tag an
Führt ihr Weg zur Bibliothek
Sie verkneift ein spitzes Niesen
Sitzt auf ihrem Lieblingsbuch

Und erinnert sich der Zeiten
Wie der eignen Pfotenspuren
Als ihr Herr sie leis vermahnte
Und ein neues Blatt anfing

Sarah Kirsch 1935
(eigentl. Ingrid Bernstein)
Dt. Schriftstellerin

dieser Beitrag ist auch irgendwie ein Nachtrag zu dem hier

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