berühmte Katzenfreunde (6)

Die nächste als Katzenfreund bekannte Persönlichkeit ist  Wladimir Iljitsch Uljanow,
der Welt unter seinem Kampfnamen LENIN bekannt. Für den Namen gibt es zwei verschiedene Erklärungen, die vermutlich in der Zeit der Legendenbildungen um seine Person entstanden.
Eine Erklärung besagt, dass er sich dabei auf den sibirischen Strom Lena bezog (Lenin bedeutet russisch: „Der vom Fluss Lena Stammende“) – nach Sibirien verbannt zu werden, bedeutete, dass man im zaristischen Russland als anerkannter Oppositioneller galt.
Eine andere Erklärung besagt, dass er mehr an sein Kindermädchen Lena dachte, und dass er bereits als kleiner Junge auf die Frage, „wessen Kind er sei“ zu antworten pflegte: „Lenin!“ (deutsch: „Lenas!“).

Lenins Wirken ist allgemein bekannt, deshalb stelle ich hier keine Biografie ein, sondern einen Ausschnitt aus „Der junge Lenin“ von Leo Trotzki, indem er eine  Verleugnung ausräumte. Ich habe die betreffende Stelle, die Lenins Katzenfreundschaft behandelt fett gedruckt, für die Leute, die nicht gern lange Texte lesen.


Leo Trotzki

Der junge Lenin

Das verletzende Ungemach, das den Gegnern und später ganzen Klassen zugefügt wurde, hat eine Reihe von Publizisten und Literaten veranlaßt, Lenin schon in seiner Jugend als rothaariges Ungeheuer darzustellen, voll von Grausamkeit, Ehrgeiz und Rachsucht. Jewgenij Tschirikow, der gleichzeitig mit Uljanow von der Kasaner Universität relegiert wurde, schilderte in seinem schon nach dem Oktoberumsturz in der weißen Emigration geschriebenen Roman den jungen Wladimir als „krankhaft eitel und leicht beleidigt“. Wodowosow erzählt: „Die groben Ausfälle und Gesten Wladimirs, seine groben und scharfen Bemerkungen usw. – sie waren bei ihm nicht selten – schockierten Maria Alexandrowna schrecklich. Häufig entfuhr es ihr: ‚Ach, Wolodja, Wolodja, wie kann man nur …!‘“ In Wirklichkeit war sich Wladimir seiner Bedeutung allzu klar bewußt, um in krankhafte Eitelkeit zu verfallen. Beleidigt zu sein hatte er schon aus Mangel an Beleidigerkandidaten keinen Anlaß. Aber zweifellos verschonte die recht grobe Unbarmherzigkeit Wladimirs nicht immer die Eigenliebe der anderen. Einige Gegner standen ihm, wie Jassnewa berichtet, „schon vom erstenmal an feindselig gegenüber“, und zwar so, daß ihre Feindseligkeit für ihr ganzes weiteres Leben nicht erkaltete.

Zu diesen für immer Beleidigten gehörte auch der verstorbene Wodowosow. Bei seinem Auftauchen in Samara empfing ihn Wladimir herzlich, half ihm, sich einzurichten, durchschaute aber sehr bald diesen unfruchtbaren Eklektiker, den man weder als Anhänger gewinnen noch als Gegner ernst nehmen konnte. Die Zusammenstöße wegen der Hilfe für die Hungernden und der Adresse an den Gouverneur blieben nicht ohne Folgen: der Erbitterung Wodowosows gegen den jungen Uljanow verdanken wir einige Seiten seiner Erinnerungen, auf denen der Autor, zum Vorteil für den Leser, mehr sagt, als er sagen wollte.

„Sein ganzes Gesicht“, schreibt Wodowosow über das Aussehen Wladirnirs, „überraschte durch eine gewisse Mischung Verstand und Grobheit, ich möchte sagen, eine gewisse Tierhaftigkeit. Ins Aug’ sprang die Stirn: gescheit, aber dachförmig. Die fleischige Nase … Irgend etwas Verbissenes, Grausames in diesen Zügen verband sich mit zweifellosem Verstand.“ In seinem pamphletischen Roman läßt Tschirikow die Simbirsker Jugend über Wladimir Uljanow erzählen: „Er hat immer feuchte Hände! Und gestern erschoß er mit dem Gewehr eine junge Katze … Dann packte er sie beim Schwanz und warf sie über den Zaun …“ Kuprin, ein anderer, ebenfalls ziemlich bekannter russischer Literat, entdeckte bei Lenin, allerdings in späteren Jahren, die grünen Augen eines Affen. So wird gar das Aussehen, wie man meinen sollte das am wenigsten problematische Element am Menschen, durch Erinnerung und Phantasie einer tendenziösen Bearbeitung unterzogen.

Ein Photo aus dem Jahre 1890 zeigt ein frisches Jungengesicht, hinter dessen Ruhe man irgend etwas Verborgenes fühlt. Die eigenwillige Stirn wird noch nicht von einer Glatze fortgesetzt. Die kleinen Augen blicken hell aus den asiatischen Schlitzen. Ein wenig an Asien erinnern auch die Backenknochen. Die vollen Lippen unter der breiten Nase und das starke Kinn sind von spärlichem Flaum umgeben, der weder Schere noch Messer kennengelernt hat. Das Gesicht ist zweifellos unhübsch. Aber aus diesen simplen, ungeformten Zügen leuchtet eine viel zu hohe Disziplin des Geistes, als daß man an Tierhaftigkeit auch nur denken könnte. Die Hände Wladimirs waren trocken, von plebejischer Form; warme, tapfere Hände. Junge Katzen liebte er, wie überhaupt alles Schwache und Schutzlose, mit der herablassenden Liebe eines starken Menschen. Die Herren Literaten haben ihn verleumdet!


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2 Kommentare zu “berühmte Katzenfreunde (6)

  1. Pingback: Zur Abwechslung – ein Gedicht von Sarah Kirsch « Katzen-Heimat-Blog

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