Futterstellen, Gedanken zu Weihnachten oder – Lisbeths Schwester

Gedanken zu Weihnachten, die macht man sich immer wieder, auch wenn man nicht an die Biblische Geschichte der Geburt Jesu glaubt. Besinnliche Festtage werden nur noch selten gewünscht, das ist altbacken. Meist werden schnell hinterher gerufene frohe oder fröhliche  Weihnachten gewünscht, Wein – und Sektflaschen in Tüten gesteckt, Karten oft nur noch gedruckt  und auf den letzten Drücker massenhaft verschickt. Ist auch etwas wert und  besser als nichts. Die Menschen denken aneinander, und wenn es  nur einmal im Jahr ist.

Diese Flaschen, Tüten und Karten landen anschließend im Papierkorb und, wenn alles gut geht, in der Altpapierentsorgung oder im Glascontainer um zumindest den ökologischen Kreislauf am Laufen zu erhalten.

Meiner Meinung nach ist Frohe Weihnachten zu einem Spruch geworden, wie ein ultimatives schönes Wochenende. Unterscheidet sich lediglich durch: „Und lasse dich reich beschenken!“

Manch einer muss Kilometerweite Strecken, sei es mit Flugzeug, Auto oder Bahn zurücklegen, um an Weihnachten mit der Familie zusammentreffen zu können – oder zu wollen. Manch einer bleibt gezwungenermaßen alleine Zuhause oder Kinder, Eltern, Freunde leben in der Nähe und ein Treffen, mit eventuell verpflichtendem Gänsebraten, Nervosität und Rotkohl (und Geschenke) ist ohne Hektik machbar.

Die Mitarbeiter der Telefonseelsorge sind vorbereitet und oft reicht ein dreißig Minütiges Gespräch, was nicht lang ist, aber wichtig, denn es hat endlich jemand zugehört. Einmal im Jahr wurde zugehört und mit Sicherheit entsprechend geantwortet. Ich hörte das gestern im Radio und war weder entsetzt noch erstaunt, lediglich traurig, über die Vielzahl der Anrufe die stetig steigt, speziell zur Weihnachtszeit.

Erinnerte mich an meine Mutter, die zwar nicht einsam aber oft alleine war. Sie brauchte die Telefonseelsorge nicht anzurufen, denn sie selber hatte bis zuletzt etwas zu geben. Ein außergewöhnliches Ritual und somit rief sie an Silvester die Feuerwehr und die Polizei an. Sie sagte: „Keine Sorge, es ist nichts passiert, ich wünsche ihnen, ihren Kollegen und Kolleginnen nur eine ruhige Bereitschaft und ein gesundes  neues Jahr.“ Nie wurde sie verlacht oder als verrückte Frau betitelt, sondern höflich und freudig behandelt.

Das alles ließ mich wiederholt über diese grauenvolle und selbst gemachte Stresszeit nachdenken, die ich persönlich bewusst abgeschafft habe. Von mir hat niemand ein gekauftes Geschenk zu erwarten. Ich renne nicht zur allgemein festgelegten Zeit, weil eines von Tausenden Kindern an diesem Tag geboren wurde, in Geschäften herum und besorge Parfüm, Laptops, Blumen, Gutscheine oder was weiß ich. Mir soll ebenso niemand etwas schenken. Das ganze Jahr hat man über 300 Tage lang  Zeit, sich zu besuchen, zu reden, zuzuhören oder etwas Sinnvolles zu schaffen. Warum muss sich das auf diese zwei bis drei Tage konzentrieren? Wer es mag und wer daran glaubt, der soll es tun.

Speziell in diesem Jahr sorgte ein selten da gewesenes Schneechaos für Verspätungen und zusätzliche  Hektik, denn wer bis Heiligabend noch keinen gefällten Tannenbaum im Wohnzimmer oder wo auch immer stehen hatte; wer die ahnende Gans noch meucheln lassen musste, den eingesperrten Karpfen fangen und die exklusiven, eingeflogenen Südfrüchte für den Nachtisch noch besorgen wollte:  Merry Christmas oder – I`m speechless.

In Russland, Polen, Finnland, Norwegen und so weiter lachen sie „uns“ aus, weil „unsere“ Wirtschaft aufgrund der zwanzig Zentimeter Schnee beinahe lahm gelegt worden wäre: Pünktlich zur Weihnachtsparty. Es wurde in dieser Woche auch viel gejammert, denn Mitarbeiter der Straßenmeistereien mussten nicht nur weißen Niederschlag, sondern auch sensationelle Überstunden schieben. Und trotzdem standen Autos, wie kunstvoll drapiert, auf und in Leitplanken, weil Schneepflüge aufgrund vergangener milder Winter  abgeschafft wurden. Diese betroffenen Autofahrer werden mit Sicherheit das Besinnliche wieder entdeckt haben, so schätze ich.

Wir alle kennen Lebewesen, die nicht meckern, keine Feiertage kennen und schon gar nicht in Hektik verfallen, es sei denn es geht um ihr Leben. Zum Beispiel Katzen, vor denen ich speziell heute, am heiligen Abend wieder einmal  große Hochachtung empfand – und Mitleid. Sie stapften durch hohen Schnee, eisiger Ostwind fegte die wässrigen Massen vor sich her und  der Himmel war dicht bedeckt von dunklen Wolken.  Nicht wirklich angenehm, wenn keine warme Stube und Decken warten. Nass wie sie sind, suchen sie sich einen Unterschlupf und selbst Thermoboxen oder umgebaute Katzentoiletten mit Stroh und Heu befüllt werden feucht, sobald nasses Fell hinein kriecht. Ich danke hiermit der Natur, die dafür sorgt, dass Tiere solche Einschnitte  gesund überleben! Das sind für mich die wahren Geschenke.

Lisbeth kennt nun jeder treue Leser und dieser schwarzweiße Glückskeks hat zwei  Geschwister. Auf gut Deutsch bedeutet das:  Einer von vielen Würfen, der in armseliger Wildnis und nicht wirklich Katzengerecht zur Welt kam, überlebt wenn er stark, verendet wenn er schwach ist oder glücklicherweise entdeckt wird und unterkommen kann. Das erste Katzenbaby konnte per Hand eingesammelt werden, kam vorübergehend auf den mittlerweile bekannten Dachboden – der zu der Zeit leer stand – und war sehr krank. Niemand konnte das Tier aufnehmen, in Quarantäne unterbringen, weil es an ansteckendem Katzenschnupfen litt. Tierheime sind eh immer voll und irgendwie geht es, denn siehe oben: Kämpfer.

Nachdem dieses schwarze Katzenbaby mehrmals Tierärztlich versorgt wurde ging es Bergauf. Es war und ist eine Schönheit, glückschwarz, Handzahm und ein lieber Zwerg, der schnell eine Interessentin finden konnte. Mit nochmaliger Behandlungen und reichlich Unkosten, die unter anderem die Tierhilfe Rhein-Main und die Katzennothilfe Kitty e.V. übernahmen, ist Lisbeths Schwester nun die Naomi. Es gibt dieses Fotomodell, die weltbekannte Naomi Campbell. Sie soll schwierig sein, eine so genannte Zicke, aber sie bewegt sich wie ein Raubtier. Michael Jackson konnte sie überreden (oder sie hat sich darum gerissen)  in einem seiner Videoclips für „in the closet“ mitzuwirken. Naomi eben, und Namensvetterin eines kleinen Raubtieres, das nie eines werden wollte. Das ist die Miez, die diesen Text begleitet hat und es ist ein weiterer Erfolg, da auch Naomi es geschafft hat und sich einfügt, in die hoffentlich immer größer werdende Gemeinde der glücklich vermittelten Katzenkämpfer, die wir hier verewigen können.

Ich wünsche Euch besinnliche Feiertage und danke fürs lesen!

2 Kommentare zu “Futterstellen, Gedanken zu Weihnachten oder – Lisbeths Schwester

  1. Das ist ja wirklich eine Schönheit 🙂
    Und mal wieder ein Happy End, schön!

    Was Weihnachten betrifft, so habe ich dieses Jahr auch ein Ritual durchbrochen. Ich mag das alles nicht mehr mitmachen und diese Einstellung ist nicht nur auf Gegenliebe gestossen 😉

    Liebe Grüße,
    Sylvia

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