Katzen würden dieses lesen…

ich dachte mal, dass ich nach und nach hier Literatur vorstelle, die irgendwie mit Katzen zu tun hat, so als Tipp für  Katzenliebhaber von einer Katzenliebhaberin.

Spiegel das Kätzchen

– von Gottfried Keller

Eines der schönsten Märchen für mich. Hatte ich auch mal eine Lesung gemacht, ich habe ein Faible für Schweizer Autoren, ich mag deren bedachte Art mit der Sprache umzugehen – und ich mag Katzen und ich mag, wenns spannend aber auch philosophisch ist, so wie hier. Das Märchen hat eine interessante Entstehungsgeschichte, über die man auf wikipedia das Folgende finden kann:

Entstehung und Hintergrund

„Wie sich das herrenlos gewordene Kätzchen Spiegel in seiner argen Not auf einen lebensgefährlichen Vertrag mit dem Seldwyler Stadthexenmeister Pineiß einläßt, so hatte sich der dreißigjährige, bis dahin lediglich mit einem Gedichtband hervorgetretene Poet Gottfried Keller aus Zürich im Frühjahr 1850 in ein höchst riskantes vertragliches Abenteuer gestürzt. Um sich zur Ausführung seines lange geplanten, aber fast nur im Kopfe ausgesponnenen Romans Der grüne Heinrich zu zwingen und dafür auch einige Mittel zu erhalten, hatte er das Buch einem Braunschweiger Verlag als im Grund bereits fertige Arbeit zum Kauf angeboten. Der Verleger hatte rasch zugegriffen, und nun fand sich Keller in der unglücklichen, für beide Vertragspartner fatalen Lage seines später erfundenen Katzenhelden Spiegel: Er sollte etwas hergeben, was er selbst nicht besaß.“
Dem Verleger, Eduard Vieweg, kommt das Verdienst zu, den autobiographischen Roman aus seinem Autor unter nervenaufreibender Mühe herausgepresst zu haben.Keller bewährte sich als Mensch und Schriftsteller, indem er dem Druck standhielt. Welche Schinderei ihm bevorstand, hatte er 1850 nicht ahnen können. Der Grüne Heinrich wuchs während der Arbeit weit über den geplanten Umfang hinaus. Im selben Verhältnis wuchsen Kellers Ansprüche an die Qualität seines Schreibens und seine Unzufriedenheit mit dem bereits Geschriebenen. Zur schmerzhaften Beschäftigung mit dem eigenen Ich kam die äußere Misere. Die mageren Honorarvorschüssen, die er bezog, zwangen ihn, Schulden zu machen, obwohl er in der teuren Stadt alles andere als ein Schlaraffenleben führte. Trotzdem erfüllte er seine Vertragspflicht voll und lieferte dem Verleger – gegen dessen misstrauische Erwartung – die 1700 Seiten des Romans, allerdings in langen Abständen und unter häufiger Nichteinhaltung gemachter Zusagen, was dem erfolgsgewohnten Großverleger und gewesenen schneidigen Unteroffizier Vieweg als unverzeihliche Wortbrüchigkeit erschien. Vieweg hielt die Lebensgeschichte des grünen Heinrich für ein Meisterwerk. Gleichwohl speiste er Keller mit Anfängerhonoraren ab. Fünf Jahre dauerte der Kampf um Ablieferungstermine, Vorschüsse und Honorarberechnungen, wohl der erbittertste in der Geschichte der deutschen Literatur. In dieser Zeit entstanden als Nebenprodukte des Grünen Heinrich auch mehrere Novellen, zunächst nur in Kellers Kopf; denn der Verleger hatte ihm das Ehrenwort abgenommen, vor Abschluss des Romans nichts anderes zu schreiben.
„Ich habe aber meinem Vieweg doch einen Possen gespielt und, ohne etwas anderes zu schreiben, mir eine wohlgeordnete und und organisierte Produktionsreihe ausgeheckt“, teilte Keller 1854 einem Freund mit. Als der Roman im Frühjahr 1855 endlich fertig war, brachte er das gedanklich Ausgearbeitete in wenigen Monaten zu Papier: den ersten Teil der Leute von Seldwyla, erschienen Anfang 1856 in Braunschweig – bei Vieweg.

Kellers Märchen von Spiegel und der Eule ist eine Eulenspiegelei. Der Schalksnarr Till schlug seinen Mitbürgern Schnippchen, indem er ihre Redensarten wörtlich nahm, Eulen und Meerkatzen buk; der Dichter Gottfried spielte seinem Verleger einen Streich, indem er eine Geschichte ausheckte, vorgeblich nur, um die Herkunft einer Redensart zu erklären. Doch mit hintergründigem, typisch Kellerschem Humor münzte er darin ein Gleichnis auf den Antagonismus von Autor und Verleger: Wie der ausgehungerte Kater dem Hexenmeister sein Leben, so verkauft der bettelarme Autor dem Verleger seine Lebensgeschichte. Dieser spielt im Gleichnis die unrühmliche Rolle des genarrten Narren Pineiß. Das raffinierte Tier ist dem Hexenmeister haushoch überlegen. Es kennt ihn besser als er sich selbst und erzählt ihm die Geschichte vom großen Unglück, das seine Herrin durch Geiz mit ihrer Person und ihrem Reichtum angeblich angerichtet hat. Doch wie erwartet erblickt der Geizige in dem vorgehaltenen Sittenspiegel nicht sein Ebenbild, sondern allein das Gold und die Jungfrau und will beides unverzüglich besitzen. Er erhält es auch richtig, nur dass die Jungfrau sich in der Hochzeitsnacht als alte Hexe entpuppt.

Keller handelte mit Spiegel, das Kätzchen nach althergebrachter Dichter- und Künstlersitte, indem er einen Auftraggeber, von dem er sich schnöde behandelt fühlte, satirisierte. In Erwägung, dass Vieweg ihn nicht öffentlich bloßgestellt hatte, etwa – wie angedroht – durch einen Prozess, tat er dies privat und so diskret, dass es keinem zeitgenössischen Leser auffallen konnte. Eher schien der Spott auf den Autor selbst zurückzufallen, als Richard Wagner, dem die Erzählung ausnehmend gut gefiel, einen Brief augenzwinkernd an: „Herrn Gottfried Keller Stadthexenmeister in Hottingen“ adressierte. Ob Vieweg verstand, wer mit Pineiß gemeint war, ist nicht überliefert. Zwar ging er auf Kellers Anregung, einen illustrierten Separatdruck des Märchens herauszubringen, nie ein, doch schloß er 1856 mit ihm erneut einen Kontrakt über den zweiten Teil der Leute von Seldwyla. Diesen löste Keller 1873 gegen Rückzahlung des erhaltenen Vorschusses samt Zinsen. Die Neufassung des Grünen Heinrich erschien 1879/80 im Goeschen-Verlag, nachdem Keller von Viewegs Nachfolger die restlichen Exemplare der Erstfassung zurückgekauft und im Ofen seines Arbeitszimmers verheizt hatte.

Literatur- und Philosophiegeschichtliches

Spiegel, das Kätzchen lässt sich ohne Kenntnis des biographische Hintergrunds als poetische Erfindung verstehen und genießen, als sei jede Ähnlichkeit mit realen Personen rein zufällig. Das war gemeint, als Keller an Friedrich Theodor Vischer schrieb: „Dieses Märchen ist stofflich ganz erfunden und hat keine andere Unterlage, als das Sprichwort ‚Der Katze den Schmer abkaufen‘, welches meine Mutter von einem unvorteilhaften Einkaufe auf dem Markte zu brauchen pflegte. Wo das Sprüchlein herkam, wußte weder sie noch ich, und ich habe die Komposition darüber ohne alles Vorgelesene oder Vorgehörte gemacht.“ Die Bemerkung „ohne alles Vorgelesene“ ist cum grano salis zu nehmen. Denn offensichtlich verdankt Spiegel seine rettende Idee jener Lügengeschichte, mit der Reineke sich vom Galgen salviert (im vierten Gesang von Goethes Reineke Fuchs). Die Stellung der Erzählung am Ende des Bandes kann als Hommage an Goethe verstanden werden, der seine Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten ebenfalls mit einem Märchen abschloss. Darüber hinaus enthält die Erzählung noch weitere literarische Bezüge. Kellers Berliner Lektüre umfasste ein breites Spektrum der europäischen Erzählliteratur. Welch genaue Stilstudien er am Decamerone unternahm, bezeugt die strenge, altitalienische Novellenform, die er der Binnenerzählung zu geben wusste.[11] Spiegel ist als „honnête homme“ nach dem Ideal der Aufklärung stilisiert, und die ganze Erzählung atmet den Geist dieser Epoche: Verachtung des Aberglaubens, Spott über Hexerei und Zauberwesen, am witzigsten bei der Beschreibung der betrügerischen Umstände, durch die das Schnepfengarn seine Kraft erhält. Der Autor bedient sich der Form- und Stoffelemente von Zaubermärchen und romantischer Erzählung zum Zweck der Persiflage. Ganz im Sinne der Materialisten des 18. Jahrhunderts und seines Heidelberger Lehrers Ludwig Feuerbach ist auch das fabula docet: Nimm einem vernunftbegabten Lebewesen die Grundlagen seiner Ernährung, so verliert es seine Würde und seinen Verstand; gib sie ihm wieder, und zwar ausreichend, so gewinnt es sie zurück. – „Die Geschichte des Katers ist eine amüsant formulierte philosophische Lektion über die materielle Bedingtheit alles Geistigen, ein höchst hintersinniges und unromantisches Märchen also.“

Wie man also lesen kann, ist in diesem Märchen viel mehr als „nur“ ein Katzenmärchen, aber selbst wenn es nur mit kindlichen Augen gelesen wird ist es ein Lesevergnügen erster Klasse und für Katzenliebhaber – einfach ein MUSS!

Falls jemand das Märchen kaufen möchte, hier

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