Der Mops im Brauhaus

Neulich, an einem Freitag Abend, da waren wir im Brauhaus. Je später die Stund‘, nicht unbedingt schöner, aber dafür umso voller die Gäste, umso verqualmter und lauter das Ambiente. Als Mensch hatte ich schon arge Probleme, keiner Reizüberflutung zum Opfer zu fallen, da finden sich auf einmal drei junge Damen ein, die hatten einen Mops bei sich. Ob der glücklich war? Keine Ahnung, ich konnte ihn schlecht fragen und wollte dann auch nicht allzu verbittert daher kommen, indem ich maulend den Sinn seines Besuches in einem Brauhaus hinterfrage. Man kennt ja schließlich auch die Tierschützer der weniger sanften Couleur, die schrecklich rational und erwachsen sind und die Augäpfel wie tollwütig rollen, wenn man etwas sagt, tut oder denkt, was der Natur des Tieres widersprechen könnte (z. B. zum Hund sagen:“Na, mein Mäuschen?“; erstens ist das dann keine Maus, sondern ein Hund und als solcher versteht er solche Sätze nicht, akzeptabel wäre:  „Rex! Platz!“) Man kann es also übertreiben und darum hielt ich total tolerant den Mund, auch als der Mops einmal reihum auf den Schößen der Freundinnen platziert wurde und sich sogar mit den Pfoten auf der Tischplatte des Wartetischchens aufstützten durfte bzw. musste.

Als die Drei bzw. Vier dann endlich einen freien Tisch bekamen, war es dann ausgerechnet direkt der neben mir und kaum dass die bemopsten It-Girls saßen, bereiteten sie dem kleinen Liebling dann auch schon ein feines Bettchen auf der Sitzbank aus ihren Wintermänteln und betteten ihn sanft darauf, sodass er erhaben über dem Tisch thronen und alles darauf befindliche anschauen und -hecheln konnte. Ich konnte mich nur mit dem Gedanken daran mäßigen, dass die Drei noch recht jung schienen und einen Mops im Paletot ins Brauhaus auszuführen vermutlich das Glamouröseste war, was sie sich leisten konnten. Außerdem war ich von diesen unheimlich niedlichen Mops-Öhrchen abgelenkt, die ja nichts für all das konnten und im bald eintretenden Schlaf des Hundes allerliebst bebten, so dass ich heftig an mich halten musste, um nicht plötzlich Mopsnapping zu begehen. Es ist ganz schön ungewohnt so ein kleines Lebewesen in Reichweite zu haben, ohne es nach herzenslust knuddeln und kneten zu können, aber man greift sich schließlich auch nicht fremder Leute Kinder um sie zu herzen und zu knuddeln (ich weiß, ein HUND ist ein HUND und kein MENSCH, erst recht kein KIND, was für ein Vergleich, ich DUSSEL!).

Gerade als ich fragen wollte, ob ich mal den Mops streicheln dürfte, kam ein netter Kellner und brachte dem Tier in einem hübschen Bierglas frisches Wasser und reichte dazu eine große Plastikschüssel. Mopsens Frauchen bedankte sich auch artig, jedoch schienen die gebrachten Gegenstände ein Rebus für sie zu ergeben, dass sie zu lösen nicht in der Lage war und so stippte sie kurzerhand ihre von den gefüllten Pepperoni, die es als Vorspeise gab, fettigen Finger in das Glas und hielt sie dann dem Hunde hin. Ich rätselte noch, ob sie nur zu faul war, um eine Serviette zu benutzen, oder ob sie ihren Vierbeiner tränken wollte, jedenfalls schmeckte diesem die Plörre nicht, die von ihren Griffeln lief (vorher klemmten auch noch etliche Zigaretten dazwischen, die werden auch noch ihren Geschmack hinterlassen haben) und sie nahm das Glas in die Hand, rückte die Plastikschale aus den Weg und ließ den Mops dann aus dem Bierglas saufen. Vielleicht wissen sich anderer Leute Hunde zu benehmen, aber meine Hundedame dockt mit ihrer Nase gerne an folgenden Dingen an: Hundepopos, eigener und fremde, Hundehäufchen, eigene und fremde, Katzenklo, Müllbeutel, Essensreste, Menschenfüße, Nacktschnecken usw. Ich kann übrigens daher auch nicht verstehen, warum manche Menschen gerne Zungenküsse mit ihren Hunden austauschen, ich liebe mein Dackelchen ja, aber ich möchte bitte keine Körperflüssigkeiten austauschen, genausowenig wie mit fremder Leute Mops.

Frage: Wenn mich als Hundehalterin das Ganze schon angestoßen hat, wie wirkt das wohl auf Mitmenschen, die aus welchen Gründen auch immer keine Tiere halten?

Fazit: Mein nächstes Bananenweizen lass ich mir an öffentlichen Orten nur noch durch einen Strohhalm schmecken, meine Dackeldame schleppe ich nicht wie ein Accessoire mit mir herum und wenn ich mit ihr unter Menschen gehe, dann benehmen wir uns Beide so, dass man uns auch noch das nächste Mal gerne dort sieht. Denn wenn man sich nicht benehmen kann, muss man sich nicht wundern, wenn es demnächst bald überall, also auch dort, wo ein gemeinsamer Aufenthalt durchaus Sinn ergibt, für Hunde heißt:

Wir müssen leider draußen bleiben

Advertisements

2 Kommentare zu “Der Mops im Brauhaus

  1. Da kriegt man echt die Pest!
    Allerdings tut mir wirklich in erster Linie dieser Hund leid 😦
    Er ist ein Hund und darf nicht als ein solcher leben.
    Und warum nicht?
    Weil es Mensch nicht in den Kram passt.
    Hund hat sich gefälligst anzupassen.

    Hierzu fällt mir spontan ein Song von Reinhard Mey ein:

    Lieber Himmelhund, ich würd’ mich zu gern mal richtig austoben
    Auf ’nem richt’gen wilden Acker und nicht immer nur von oben
    Vom Balkon im 10. Stock auf den versifften Spielplatz seh’n
    Und am Abend nur für drei Minuten mal kurz runtergeh’n
    An den ersten armen Baum, der mit dem Hundekottod ringt,
    Weil hier jeder aus dem Block schnell seinen Hund zur Notdurft zwingt.
    Einmal nur nach Herzenslust ´rumschnuppern in den Mäusewinkeln
    Und nicht an der Leine weggezerrt werden mitten im Pinkeln.
    Lieber Hund im Himmel: Etwas Muße und ein eigner Baum –
    Das wär’ mein Traum!

    Lieber Himmelhund, ich möcht’ gern richtig stink’gen Schweinkram fressen
    Und nicht das Designermenu aus der Fernsehwerbung essen.
    Ich möchte nicht, daß mich parfümierte Hände streicheln, nein,
    Meine Nase ist zu fein für Gucci und für Calvin Klein.
    Ich will kein Mäntelchen tragen, will nicht, daß man mich frisiert,
    Mir die Ohren spitzer schneidet, oder mir den Schwanz kupiert.
    Das sollst du mit Herrchen machen und wenn er sich dreht und windet,
    Na dann woll’n wir doch mal seh’n, ob er das noch witzig findet!
    Lieber Hund im Himmel, stopp diese Barbarei
    Und auch die idiotische Silvesterknallerei.

    Lieber Himmelhund, ich will nicht mehr im Allradkombi liegen
    Hinterm Gitter und in jeder Kurve aus der Kurve fliegen,
    Nicht im Restaurant zwischen Tisch- und Menschenbeine gezwängt
    Passivrauchen, Tischabfall essen, von Kleinkindern bedrängt.
    Ich will nicht nur spielen, ich will endlich beißen bei dem Spruch:
    „Verzeihen Sie, mein Herr, aber Ihr Hund hat Hundgeruch!“
    Laß mich lieben, wann und wen ich will, und gib mir keine Pillen,
    Und keine Spritzen gegen meinen ausdrücklichen Paarungswillen.
    Lieber Hund im Himmel: Für mich und Rex
    Freien Sex.

    Lieber Himmelhund, ich will wie rechtschaffene Hunde heißen
    Und nicht Rambo, Müntefering, Dr. Klöbner oder Tyson,
    Weil der Mensch es für unglaublich originell und witzig hält,
    Wenn er uns vermenschlicht und sich zugleich hoch über uns stellt:
    „Ihr da unten – ich hier oben. Ich werf’ und ihr holt den Stock!“
    Menschen brauchen Katzen, Vögel, immer einen Underdog.
    Menschen woll’n immer Gefang’ne, Menschen sind immer die Schließer,
    Die Verhätsch’ler, die Verhöhner, die Streichler, die Krauler
    und die Blutvergießer.
    Lieber Hund im Himmel, gib mir meine Würde zurück und ’nen richt’gen
    Hundenamen Amen!

    (Reinhard Mey)

    Liebe Grüße,
    Sylvia

  2. Ist schon fast eine Kurzgeschichte, Christine. Liest sich gut.
    Und ja, ist manchmal wirklich unerträglich, wie Leute mit ihren Tieren umgehen und diesen Umgang anderen noch aufdrängen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s