Katzen, Schnee und Eiseskälte

Katzen und Schnee mögen sich bei Freigängern noch gut miteinander vertragen. Wenn entschieden werden kann, wann Katze sich im Schnee wälzt oder es Zeit wird sich in Nähe einer Heizung aufzuhalten. Verwilderte, nur draußen lebende Tiere können nicht entscheiden und obwohl Mutter Natur sie mit Winterfell und Instinkt ausgestattet hat, so kommt es immer auf das Umfeld an, wo die jeweiligen Tiere leben.

Meist existieren sie nicht freiwillig dort, weil sie dummerweise an genau dieser Stelle geboren wurden. Viele Tiere suchen sich mit der Zeit ein neues Revier, wo sie bessere Bedingungen vorfinden; doch oft macht der Mensch einen Strich durch die Rechnung, denn verfallene Gebäude werden abgerissen, neue errichtet. Neue Gebäude müssen logischerweise sämtliche Regeln und Auflagen erfüllen, so dass keine Lücke übrig bleibt, wo eine Katze eventuell hinein schlüpfen könnte.

An einer meiner Futterstellen habe ich genau das erlebt. Das Umfeld wurde und wird ständig saniert, planiert und dem Erdboden gleich gemacht. Micky, Muckl und Filou leben nur noch dort, wobei sich Filou diesen Bereich nach all den Veränderungen freiwillig ausgesucht hat. Er tauchte auf einmal auf und blieb.

Er ist noch jung, fühlt sich gut versorgt und nimmt das Leben bisher locker, aber ich sehe es an Muckl und Micky, die beide ihre Jahre auf dem Buckel haben. Muckl verschwindet im Nirwana, sobald sie sich satt gegessen hat. Irgendwo wird sie eine geheime Stelle haben.

Micky  und ich schauten vor drei Jahren zu, als sein Unterschlupf abgerissen wurde. Ich hatte Micky auf dem Arm und mir selber ging das Spektakel an die Nerven – Micky schaute hin und zitterte. Der Niedergang einer übrig gebliebenen Halle der ehemals produzierenden Fabrik. Ich  hatte ihm mit Stroh und Heu befüllte Kartons in die Halle gestellt, die er auch dankbar annahm, doch dann kamen Bagger und Abrissgeräte, die sich nicht dafür interessierten, dass in diesem Gebäude ein Kater schief.

Man kann niemandem einen Vorwurf machen, das wäre ja auch zu schön. Ich musste eben eine andere Lösung finden. Unauffällig, transportabel und klein müssen Unterschlüpfe sein. Klein und trotzdem passend, denn je passender, umso mehr Wärme gibt die eigene Körpertemperatur ab. Preiswert bis umsonst müssen sie sein, denn an jeder Ecke können schon morgen aufgrund Umbauten solche Dinge entsorgt werden. Hütten sind zu auffällig, schwer zu transportieren und auch kaum bezahlbar. Somit experimentierte ich mit Katzentoiletten, die mit Deckel versehen sind. Wenn man preisgünstige findet, so liegen sie bei ungefähr elf Euro.

Es dauerte eine Weile bis ich sozusagen einen „Bauplan“ entworfen hatte, denn ohne äußeren Schutz dringt an irgendeiner Stelle Wasser ein. Immer wieder probierte ich neu und veränderte. Warm und trocken musste das Innere werden und Styropor ist immer geeignet. Somit besorgte ich Reste von Styroporplatten, ein Bekannter spendete Reste weicher Teichfolie, ein Kollege hatte Dachfolie übrig und ein Katzenfreund benötigte eine Isolierdecke nicht mehr, die er genutzt hatte, wenn er unter seinem Auto arbeitete.

Auf den Boden der Katzentoilette kam eine zurecht geschnittene Styroporplatte, anschließend wickelte ich Teichfolie um das Gehäuse und klebte sie mit Paketband rundherum fest. Ich hatte es beim ersten Mal andersherum ausprobiert, aber das war einfach nur dämlich, denn wie sollte anschließend die Platte durch den Eingang passen? Da die Teichfolie zwar gut geeignet ist, sich aber kein Dach daraus fertigen lässt, weil zu weich, kam zum Schluss eine Lage Dachfolie hinzu, die ich über das Klo legte und ebenfalls festband. Die dicke Folie konnte ich doppelt gelegt soweit überstehen lassen, so dass sich ein Schutzdach, oben und seitlich, gegen Regen, Wind und Schnee bilden ließ.

Nachdem das Äußere hieb und stichfest war, konnte das Innere gefüllt werden mit Isolierdecke, Stroh und Heu. Tücher und Decken würde ich gerne nutzen, aber das ist sinnlos, da sie Feuchtigkeit annehmen und sogar gefrieren können.

„Schön“ nennt man andere Dinge, aber diese Methode durchsteht bereits drei Winter und jede Menge Regengüsse. Das Heu kann und muss zwar immer wieder aufgeschüttelt und erneuert werden, da sich ansonsten Schimmel bildet, aber es funktioniert.

Drei dieser Unterschlüpfe hatte ich  auf einem Grundstück deponiert, das alle Katzen kannten und wo im Grunde nichts passieren konnte, weder Störung noch Beseitigung. Aber eines Tages störte dieser Grünstreifen die Optik oder wen auch immer und ein Bagger  schaufelte von vorne bis hinten, alles zusammen auf einen Haufen. Dieser Haufen liegt nun seit einem halben Jahr an selbiger Stelle, das, die Optik störende, Grün ist längst wieder nachgewachsen. Was mich ärgert, neben dieser offensichtlichen Sinnlosigkeit, dass zwei der drei Unterschlüpfe ebenfalls unter diesem Haufen liegen. Zusammengeschaufelt, auf Teufel komm raus. Eines konnte ich retten, indem ich mich strafbar machte, über den Zaun kletterte und ein verbotenes Grundstück wiederholt betrat.

Zum Glück waren diese Katzentoiletten „preiswert“ und somit beginnt man wieder von vorn. Jedoch werden dadurch die neuen umgebauten Katzenklos immer besser, dafür ein Danke an alle vorigen, jetzigen, zukünftigen Beseitiger  und Gegner!

Und wenn Ihr Euch noch so sehr bemüht: Ihr kriegt uns nicht unter!

Filou

Minki

Feuchtfutter gefriert momentan innerhalb von Minuten und man kann lediglich Trockenfutter bereit stellen, es sei denn die eine oder andere Katze erscheint pünktlich und bekommt warmes Futter in den Magen. Reste gibt es selten, aber wenn wird weiter gegeben, an die nächsten Wartenden, die solch eine Stelle wissend, hoffend umkreisen:

An einer anderen Stelle entdeckte ich eine Art Schuppen, offenstehend und scheinbar ungenutzt. Ideal geeignet, weil mit Dach versehen und trocken. Ich fragte die zuständigen Mieter und durfte den Schuppen, zumindest vorübergehend, nutzen. Gesagt getan und hier war es einfach, weil trocken. Kartons reichen, die mit Stroh und Heu befüllt ein gutes Lager bieten.

Zusammenfassend möchte ich behaupten, dass gut versorgte Katzen jeden Winter überstehen können, auch wenn es einem selbst das Herz bricht, wenn man selber friert und denkt, dass das nicht sein kann. Wie gesagt: Gut versorgte Katzen. Jedes Jahr kann man  aufs Neue beobachten, dass wilde Katzen die bevorstehenden Temperaturen ahnen und sie besser bestimmen können als jeder Meteorologe. Vor solchen Kälteeinbrüchen futtern sie sich Winterspeck an und handeln damit genau so, wie  jedes andere Wildtier ebenfalls Vorsorge betreibt. So lange sie gut versorgt werden und möglichst gesund bleiben, besteht keine Gefahr. Krankheiten, wie Erkältungen zum Beispiel, kann in dem Moment nur ein menschlicher Versorger erkennen und versuchen zu heilen, sei es durch Medikamte oder Aufnahme. Alte Tiere sind gefährdet und auch hier ist eine Aufsicht nötig, die erkennt, ab wann eine Katze draußen in Eiseskälte  nicht mehr überleben wird und die  ihr einen Altersruhesitz bietet oder sich darum bemüht. Sie haben es verdient, diese Kämpfer. Alleine sind sie zwar nicht hilflos, aber die Zivilisation bietet das entsprechende Umfeld   nicht. Und sorry, aber Sprüche wie: „So ein Quatsch, die kommen schon klar, die finden immer was!“ , höre ich mir an, schüttele mich wie eine nasse Katze und mache einfach weiter, denn keiner dieser  Sprücheklopfer hat den Funken Mumm, sich auch nur  ein krankes oder verhungertes Tier anzusehen.

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8 Kommentare zu “Katzen, Schnee und Eiseskälte

  1. Sehr interessant zu lesen Sabine, traurig auch, trotz des durchscheinenden Kampfgeistes.
    Dass die Leute immer nur so kurz denken können, niemand will herrenlose Katzen, doch nicht an der Betreuung und Versorgung dieser Tiere liegt das Problem. Leider meinen manche, ohne das gäbs die Katzen nicht.
    Ohne das wären die Katzen nur viel elender. Das Problem liegt in der Verantwortungslosigkeit der Menschen, die ihre Katzen unkastriert durch die Gegend streifen lassen, die ihnen überdrüssig gewordene Katzen aussetzen, die sich für ihre Fabrikkatzen nicht mehr zuständig fühlen.
    Wer etwas gegen herrenlose Katzen unternehmen möchte, muss da ansetzen und nicht die Tiere angehen indem man ihnen nimmt, was das Leben erträglich macht. Unversorgt verbreiten die wirklich die Krankheiten und Parasiten, von denen die „Katzenhasser“ sprechen, so wie wir Menschen auch ohne ordentliche Bleibe und ohne regelmäßige Nahrung zum Opfer von Parasiten und Krankheiten werden.

  2. Danke für den Bericht, Sabine.
    Kannst Du vielleicht noch dazu schreiben, wer auf den Bildern zu sehen ist?
    Ich habe mich heute von dir inspirieren lassen, nur in ganz kleinem, privaten Rahmen: Ich habe ein Spielzeug für meine wilde Maus hier gemacht, irgendwie hatte ich nach dem Lesen Deines Artikels das Bedürfnis etwas für meine Tiere selbst zu basteln.
    Und mir fällt ein: Da ist noch ganz viel Futter in meiner Garage. 😉

  3. Super geschrieben, Sabine!

    Der Kater Lumpi, wegen dem ich dich vergangene Woche angemailt habe, hat übrigens in letzter Sekunde ein schönes neues Zuhause gefunden. Er muss nicht mehr frieren! 🙂

    Liebe Grüße,
    Sylvia

  4. Das ist ja toll, Sylvia! Freut mich für den Heimatsuchenden Lumpi sehr!
    Das ging aber jetzt flott; wie Ihr das gedreht habt würde mich mal interessieren. 🙂

    @Bettina, hast mich unbewusst an die entsorgte Gülle erinnert – kommt noch!

    Euch allen Danke fürs Lesen und Kommentare – im Namen der Katzen!

  5. Ich weiss es gar nicht! Muss ich nachfragen.
    Alle, die sich am Wochenende melden wollten 😉 haben es nicht getan und so stand Volker Freitag mit einem frisch kastrierten Kater da und wusste nicht wohin. Einen Tag konnte er bei seinen Eltern bleiben und dann kam der glückliche Zufall.
    LG Sylvia

  6. Sabine, schau mal, vielleicht findest Du hier einen Hinweis, wie Du das hinkriegen kannst, dass auch in „Katzenhausen“der Schnee weiß ist 😉
    ist eine Frage der Belichtung wenn er grau ist und wenn man das dann wie gewohnt bearbeitet, kann so ein Farbstich bei rauskommen. Aber ich glaube, die fotografierst mit einer Olympus, die hatte Micha auch und er hatte auch oft blaustichige Schneeaufnahmen. Scheint irgendwie eingebaut zu sein, blauer Schnee…

    http://www.digitipps.ch/fotopraxis/winterfotografie.php

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