Über Menschen und Katzen und die Wächter von Moral und Würde

Olafs Nüstern blähen sich, gleich dampft es draus, da bin ich mir sicher.
„Für Katzen so’n Aufwand, ich glaub’s nicht.“
Kopfschüttelnd liest er Sabines Bericht zu Ende.
„Das sind doch nur Katzen! Menschen! Menschen würde ich da reintun, das wär‘ human!“
„Menschen in einen alten Bretterverschlag, der mal ein Stehimbiss war, unterbringen?“
„Obdachlose, warum nicht?“
Ich fürchte, Olaf hat eigentlich noch weniger Mitleid mit Menschen als mit Katzen.
Wie käme er sonst auf den Gedanken seine Artgenossen in eine vermoderte Konstruktion ohne Schutz, Heizung und sanitäre Anlagen unterzubringen.
Oder kann er einfach nicht verstehen, dass es da ein paar Menschen gibt, die auch an eine wilde Katze denken und versuchen einer solchen beim Überleben zu helfen, ohne dabei als Primärziel den Verrat an der menschlichen Rasse zu haben.
Olaf steht stellvertretend für viele Menschen, für Männer als auch für Frauen. Es ist in Ordnung, wenn man viel Geld ausgibt für Schmuck, Schminke, Kleidung, Lifestyle, Zigaretten. Spenden für den guten Zweck auch, wenn er denn dem Menschen zu Gute kommt (aber bitte nicht zu viel, sonst hat man am Ende ein Helfer-Syndrom). Vielleicht gibt es da auch noch eine gewisse Toleranz, wenn es sich um etablierte Tierschutzorganisationen handelt. Tierschutz im kleinen Rahmen prädestiniert jedoch ad hoc zum Stempel des Idiotentums (ist man überdies weiblichen Geschlechts, bekommt man von nicht wenigen Menschen Männern gratis dazu die Altjungfernschaft mit mangelnden sexuellen Kontakten attestiert).
Kämen die Olafs und Olafinas dieser Welt auf die Idee zu einem Raucher zu gehen und zu sagen: „So ein Unsinn, sich das Zeug in die Lunge zu pumpen! Du brauchst das gar nicht! Gib die Kippen lieber einem Obdachlosen, der hat immerhin einen Grund sich die Welt schön zu rauchen!“
In der Drogerie belästigt auch keiner die Dame, die auf den neuesten Werbeschwachsinn reingefallen ist, mit den Worten: „Keine dieser Wimperntuschen kann aus ihren drei Wimpern eine Million machen, eine arme Frau kann sich jedoch damit für kurze Zeit so fühlen, als würde sie im Luxus schwelgen, spenden sie die Tusche der nächsten Bettlerin!“
„Das ist ja wohl ganz was anderes“, mault Olaf.
Finde ich überhaupt nicht. Genausowenig wie ein armer Mensch von einer Kippe oder Wimperntusche hätte, hätte er von einem windigen, schmutzigen Bretterverschlag.
Wenn jemand anderen Menschen helfen will, dann tut er das meist. Diejenigen, die statt zu helfen lieber die Taten anderer kommentieren und monieren bleiben meist auch dabei: Große Reden schwingen, über Moral und Würde. Aber nichts dahinter. Und davon hat erst recht keiner was.

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4 Kommentare zu “Über Menschen und Katzen und die Wächter von Moral und Würde

  1. Das Wort Menschen hättest Du aber nicht gegen Männer tauschen müssen, gibt genug dumme Frauen, die sich so grenzüberschreitend über andere ihnen eigentlich Unbekannte äußern Christine, nur in der Absicht, deren Beschäftigung mies zu reden.
    In einem Hundeforum hatte ich mal einen Beitrag einer Aktivistin gelesen, die immer den abgestempelten Zahlschein für ihren SOS-Kinderdorfspendenbeitrag in der Tasche hatte, weil sie so oft angemacht wurde, das große Elend in der Welt und sie machen für Viecher…
    Meine Einstellung zu der Frage kann man durch klick auf mein Profil lesen – ich mache das, was ich am ehesten beeinflussen kann. Ich kann keinen Obdachlosen wieder in die Gesellschaft eingliedern, indem ich ihn mit nach Hause nehme, das wäre auch sträflicher Leichtsinn; ich kann kein Kind, das zu Hause nicht die Achtung erfährt, die es erfahren sollte, bei mir unterbringen – im Nu wäre die Polizei vor meiner Tür wegen Kindesentführung, -entzug oder was weiß ich …
    aber ich kann mich ganz problemlos einer herrenlosen Katze annehmen. Und ich meine, eines geht ins andere über. Achtung vor der fühlenden Kreatur beinhaltet auch Achtung vor anderen Menschen, wenn die Psyche gesund ist.
    Der erste Kinderschutzbund hatte sich aus einer Tierschutzorganisation entwickelt, auch wenn das mit heutigen Augen gesehen alles nicht so edel gelaufen ist, wie es die Mythen erzählen, der Kern bleibt. Menschen, die etwas gegen Tiermisshandlungen unternahmen, begannen dann auch, Misshandlungen in der Familie nicht mehr als „Privatsache“ zu betrachten. Dass in den Akten auch Hochmut einer gebildeten evangelischen Schicht gegen arme ungebildete Katholiken zu erkennen ist, finde ich gut, dass es jetzt mal angesprochen wurde,denn das Binvielbessergedönz ist im Tierschutz ja auch manchmal problematisch, zumeist bei passiven Aktivisten anzutreffen, deren Beitrag sich darin ergeht, die Schlechtigkeit der Welt zu bejammern.

  2. Das mit dem gestempelten Zahlschein in der Tasche muss ich mir merken, Bettina! Obowhl das echt bitter ist, als müsste man sich sein Recht zur Tierliebe erkaufen, nach dem Motto: Hier, ich spende auch für Menschen, dann darf ich auch für Tiere ein bisschen? Ich werde niemals verstehen, warum man nicht leben und leben lassen kann.

    • Sie handhabte das wohl eher wie ein Judoka, der die Agressivität des Angreifers stoppt und gegen diesen selbst richtet. Motto: Ich mach was und Sie? Haben nichts vorzuweisen, nur Gelaber …

  3. Pingback: Talmud Lexikon - Judentum

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