Wochenbericht der zwei Minitiger oder – Emmy und ich wieder von vorne

Daran ist ein Tierarztbesuch schuld, der diesmal bei meiner Katzen-Tierärztin stattfand. Nebenbei hatte ich erwähnt, dass trotz Baycox und Panacur weder Unsauberkeit noch Durchfall beseitigt werden konnten.

„Das sind die Därme, die aufgrund Behandlung erst einmal zur Ruhe kommen müssten. Unsaubere Katzen gibt es nicht und Milbemax geben sie erst einmal nicht!“

Wem sagt sie das, das mit Sauberkeit der typischen Katzen? Ich war bisher auch immer der Meinung, aber diese beiden …

Nun, wir verabredeten uns zu einem persönlichen Minitiger – Termin am vergangenen Samstag um 9.30 Uhr, da die Katzen gewogen werden mussten und anschließend eine Gewichtsspezifische Synolox Kur gegeben werden sollte, damit sich Därme und Innereien wieder – oder auch erstmalig – beruhigen.

Ich stellte die Wecker sicherheitshalber auf Sieben Uhr, denn Emmy würde sich weigern, garantiert.

So war es auch und ich begann mit Maxi, die ich streichelte, mit der ich spielte, nahm und in eine Box verfrachtete. Vielleicht war das falsch, denn Emmy bekam große Augen und ahnte gar Schreckliches. Sie in eine Box zu bekommen war „unser Kampf Teil Zwei“, denn sie hechtete im Badezimmer hin und her. Eben wilder Sturkopf und harte Nuss.

Als sie letztendlich auf der Ablage vor Spiegel, neben durcheinander gewirbeltem Deo und Zahnpasta über dem Waschbecken hockte, konnte ich sie endlich in die offen stehende Box bugsieren. Alles ohne Gewalt, mit viel Ruhe und Zeit, doch mit schwindendem Vertrauen ihrerseits.

Bei Tierärztin angekommen ging alles recht schnell. Maxi ließ sich ohne Komplikationen aus der Box nehmen, nur auf die Waage wollte sie nicht. Also Box gewogen, Maxi rein und Differenz von 2,2 Kilo notiert. Dann Klein Emmiken, die sich typisch in die hinterste Ecke ihrer Box quetschte. Sie fauchte und machte keinerlei Anstalten dort jemals wieder herauskommen zu wollen und wenn, dann nur zum flüchten in die große Freiheit.

Emmy wurde somit auf etwas leichter geschätzt.

Eine Spritze sollten beide haben und zwei Antibiotika Spritzen bekam Maxi ohne Schwierigkeiten. Emmy bekam nur eine, wobei ich sie mit Handschuhen bewaffnet innerhalb der Box festhielt und Tierärztin ihr (link) von oben in den Popo piekste.

Nun also eine weitere Kur mit Synolox, damit sich das Gedärm beruhigt und dann mal schauen.

Inzwischen leuchten hier alle Tiere, und wir sparen Strom. 😉

Zu Hause angekommen und heraus gelassen, verschwand Emmy ab diesem Moment bis zum Sonntagvormittag. Beinahe machte ich mir Sorgen, aber aus einer verschlossenen Wohnung? Allerdings stand ein Fenster  auf Kipp – und wer weiß? Entdeckt wurde sie erst anhand eines überraschend festen Häufchens, das im Schlafzimmer lag. Somit wurde ebenfalls entdeckt, dass sie sich die ganze Zeit über hinter einem Bild, das auf dem Boden steht, versteckt haben musste. Niemand bemerkte ihre Anwesenheit, selbst Hündin Gipsy nicht, die nachts in der Nähe des Bildes im Schlafzimmer… ja genau: schläft.

Erinnerte mich an Schneckchen, die sich nach ihrem ersten Tierarztbesuch auch im Schlafzimmer vekrümelt hatte, allerdings viel sicherer. Sie hatte seinerzeit die offen stehende Tür der Abstellkammer genutzt und sich  hinter Koffer und Schuhen verbarrikadiert. Sie kam nicht freiwillig heraus, ebenso wenig wie Emmy, die aufgrund  Entdeckung erneut in Panik geriet. Schneckchen hinterließ seinerzeit noch Krallenspuren in menschlicher Feindeshaut.

Maxi tat als wenn nichts gewesen wäre und mittlerweile denke ich, dass beide getrennt vermittelt werden können. Bisher war ich anderer Meinung und es ist immer noch so, dass beide eine Einheit bilden, aber Maxi würde sich in einem Haushalt mit Kindern wahrscheinlich sehr wohl fühlen, denn sie liebt Neuerungen und Ansprache. Ob Sauger oder Handfeger, Maxi ist mit ihrer Nase dabei. Handtücher auf dem Wäscheständer geht gar nicht! Daran springt sie so lange hoch, bis die feuchten Tücher erfolgreich auf dem Boden liegen. Sie wirft sich hingebungsvoll hin, möchte gestreichelt werden, schnurrt, ärgert Schneckchen hemmungslos und rennt ihrem Zweibeiner neugierig hinterher. Sie trennt allerdings, denn Zweibeiner die sie nicht mag, nicht kennt, die ihr kein Fresschen geben, die lernen sie kennen. Oh ja, denn dann faucht sogar die liebenwerte Maxi.

Emmy ist wie sie ist, es sei denn sie legt irgendwann den berühmten Hebel um, und entscheidet sich für ein Leben ohne wildes Denken. Bisher ist das nicht der Fall, aber wie gesagt, wir beginnen ja auch wieder von vorn. Emmys optimales Leben stelle ich mir auf einem Bauernhof vor, wo sie irgendwann einmal die alles lenkende Hofkatze sein kann. Wo sie selber entscheiden darf, wann sie draußen leben oder sich innerhalb eines Gebäudes aufhalten möchte. Geeignet ist sie, und ich stelle Emmy gerne ein Zeugnis aus, denn sie hat ständig alles im Blick und ahnt jede Gefahr. Spielen? Nur mit Maxi zusammen, wenn Schwester sie auffordert. Das Leben ist in Emmys Augen viel zu ernst und irgendwie kann ich ihr dabei nur Recht geben und sie verstehen. Sie schläft auch nie öffentlich, nur verdeckt. Maxi macht das nix, wie man sieht:

Wer es noch nicht kennt, dem kann ich ein kürzlich gelesenes Buch von Elke Heidenreich  empfehlen: http://www.amazon.de/Nero-Corleone-Katzengeschichte-Elke-Heidenreich/dp/3423621559 Nero Corleone ist ein typischer Hofkater, der zwar die Zivilisation entdeckt und schätzen lernt, wo Heidenreich aber auch viele seiner Artgenossen beschreibt und vor allem Neros Schwester „Rosa“, die ebenso Emmy sein könnte.

Von gestern Abend muss ich noch kurz erzählen: Freitagabend und müde, endlich Wochenende und abwarten dürfen bis die Augen zufallen. Dauerte gestern nicht lange und zur Entspannung, nachdem Katzenklos gesäubert, Häufchen beseitigt, alle versorgt waren und Hündin Gipsy ihren Spaziergang hinter sich hatte, dachte ich ein paar Seiten in einem Buch zu lesen. Übrigens  das ebenfalls sehr zu empfehlende Buch „Deutschstunde“ von Sigfried Lenz. Es wurden ein paar Zeilen. Schneckchen lag auf meinem Bauch, ich hatte weder Türen geschlossen noch Katzenklos an die „riskanten“ Stellen gestellt – ich pennte einfach ein.

Mein menschlicher Partner nahm mir irgendwann noch netterweise die Lesebrille von der Nase,  legte das dicke Buch beiseite und löschte das Licht. Aber er dachte nicht an Türen und Katzenklos.

Obwohl ich unter Koma Schlaf leide, wurde ich immer wieder wach, weil es klirrte, klimperte und schepperte. Es rannten Mäuse und Ratten durch Höhlen und Gänge, es pupste und würgte.

Tja, keine Mäuse, aber Katzen. Zwei Minitiger die Schneckchens Futter geklaut hatten, sich anschließend übergaben, die ins Bücherregal gesprungen, die die Treppe hoch und runter gewetzt waren, die einfach nur Spaß hatten, was ich ihnen von Herzen gönne. Nur über die Häufchen, die heute Morgen im Hundekorb und auf dem Sofa lagen, über die bin ich sauer!! Aber ok, das fehlende (mittlerweile dritte) Klo war schuld.

Danke für´s Lesen und ein schönes Restwochenende!

5 Kommentare zu “Wochenbericht der zwei Minitiger oder – Emmy und ich wieder von vorne

  1. Sabine, wie immer freue ich mich über Deinen Wochenbericht. Das diese kleine Nuss immer noch nicht geknackt ist – vielleicht stimmen einfach die Rahmenbedingungen nicht. Hätte Emmy vielleicht tatsächlich den Freigang, die Wahl zu entscheiden, ob sie lieber drinnen oder draußen schläft, aus der Schale frisst oder selber jagd, ja, vielleicht wäre dann inzwischen alles ganz anders.

    Betroffen machen mich wirklich nur die Ergebnisse meiner Bemühungen einen Hof für sie zu finden. Egal, wen man anspricht, der Bauernhöfe in seiner Nähe hat, man hört immer das Gleiche:
    Ja, die Bauern brauchen Katzen, um Mäuse und Ratten in Schach zu halten. Aber sie haben selbst mehr als genug und müssen jedes Mal selbst schauen, wo sie ihre ganzen Würfe unterbringen, weil die Hofkatzen sich unkontrolliert vermehren.

    Mag vielleicht jetzt doof klingen, aber ernsthaft: So viele mobile Kastrationsteams sind in anderen Ländern unterwegs, denen wir mangelnde Sorgfalt ihren Tieren gegenüber attestieren, weil Tiere nicht kastriert werden. Vielleicht sollten von denen ein paar auch mal durch Deutschland touren. Traurig aber wahr.

    Sabine, wenn Du jetzt die unterschiedliche Entwicklung bemerkst – genial wäre doch eigentlich eine Pflegestelle für Maxi zu finden, um zu schauen, ob die Beiden sich vielleicht in ihrer Unsauberkeit anstecken bzw. Emmy aus Protest und Maxi hinterher.

    So wie es sich liest, wäre ein lebhafter Haushalt ja wirklich das Ideale für Maxi.

  2. Ja, leider, das mit dem Bauernhof ist reines Wunschdenken und stammt noch aus der Ära Astrid Lindgren und Bullerbü.

    Das klingt nicht doof, Christine, da es eine Tatsache ist. Viele Tierschutzvereine vergessen die eigene Tür, wo es unendlich viel zu tun gibt. Sicher, in Polen, Ungarn etc. sieht es viel schlimmer aus, aber wenn keine Gelder mehr für das eigene Problem vorhanden sind, dann läuft das nicht richtig.

  3. Sorry, aber über das pupsen und würgen musste ich jetzt doch breit grinsen 😳 :mrgreen:
    Bei dir ist ganz schön was los, mein lieber Schwan, da ist es ja bei mir ruhiger 😉
    Hatte ich schon gesagt, dass ich die beiden Tiger bildschön finde? 😉
    Ich hoffe, ihr findet eine Lösung und die beiden müssen nicht getrennt werden, denn scheinbar ist Maxi ja schon so eine Art Vorbild für Emmy.

    Nero Corleone steht übrigens auch in meinem Bücherregal!

    Liebe Grüße,
    Sylvia

  4. Ja, bildschön sind die beiden, aber manchmal könnte ich
    sie… 😉
    Meine Drohung lautet jetzt immer: „Ihr könnt SOFORT gehen, mir egal, guckt raus, draußen ist es herrlich kalt!“

    Hörst Dich auch mal um, ja, Sylvia??? Bütteee!!

  5. Hallo 🙂

    deine beiden Minitiger sind so süß, und ich bin fest überzeugt, dass du diese harte kleine Nuss knacken wirst.

    Ich hab gestern nach 1 1/2 Jahren auch so eine harte Nuss geknackt. Keine Katze sondern eine kleine Schlange. Der Bruder eines Freundes hatte Schlangennachwuchs bekommen und eine wollte nicht fressen (das kommt schon mal vor). Also haben sie mich gefragt ob ich es versuchen will, sonst würden sie ihn einfrieren. Ich hab es dann versucht und als ich dieses magere kleine Kerlchen (oder Mädchen) bekam war sie schon so dünn, dass ich die Maus (ich kaufe und füttere nur Frostfutter) vierteln musste um überhaupt was in sie reinzubekommen. Ich habe sie also gestopft, zwischendurch versucht sie zum fressen zu animieren, was sie jedoch strickt ablehnte und wieder gestopft. Gestern war wieder mal stopfen dran. Aber wie alle 3-4 Monate hab ich versucht ob sie frisst. Ich hab schon nicht mehr dran geglaubt. Aber als ich am Morgen aufwachte, war die Maus weg. Zuerst dachte ich, sie liegt wieder drauf, aber dann sah ich dass der Bauch dick war. Nach 1 1/2 Jahren hat es endlich klick gemacht. Die Nuss ist geknackt und jetzt frisst sie alleine! Ich hoffe sie bleibt auch jetzt dabei. Aber ich weiß jetzt, dass die kleine Schlange ja eigentlich weiß, was man mit einer Maus macht.

    Also auch die härteste Nuss ist zu knacken ;-))

    Viele Grüße

    Manuela

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s