Kleine Katze, große Wohnung – Lisbeths Tagebuch (5)

Im Lauf der letzten Woche hat ist Lisbeth so selbstsicher geworden, dass sie ihrem Spieltrieb täglich voll nachgeht. Wenn man sich das Ausmaß der Verwüstung betrachtet, dass sie binnen kürzester Zeit in ihrer Box hervorzaubern kann, wird klar: Sie braucht dringen Auslauf und mehr Fläche zum Verwüsten. Ein besonderes Hobby von ihr ist geworden, die Zeitung unter ihren Näpfchen hervorzuscharren und in viele kleine Fetzen zu zerstückeln. Außerdem mag sie es aus Prinzip nicht, wie wir ihre Box dekorieren, sie räumt sofort alles um. Also war Freitag  „Stichabend“, nach der Arbeit öffnete sich die Front für einige Stunden, die Lisbeth voll ausgenutzt hat, um die Wohnung zu erkunden, ein lange verloren geglaubtes Leckerchen von Gini hinter einer Kommode hervor zu kramen, überhaupt mal auf Tuchfühlung mit Gini zu gehen, sich Gretchen zu nähern.

Lisbeth und Gini

Spielstunde

Ginihund und Lisbeth liefen bei den ersten, kürzeren Freigängen aneinanderklebend herum, ähnlich wie eine Walkuh mit ihrem Kälbchen umherschwimmt.

Die Beiden hängen zwischendurch immer wieder mit verschiedenen Körperteilen aneinander wie Kusspüppchen

Gestern hatten sie dann Gelegenheit diese Beziehung zu „vertiefen“, was zur Folge hatte, dass Gini in ihrem Überschwang schon mal über Lisbeth hinweggetrampelt ist, was diese dazu gebracht hat eine Technik zu verfeinern, mit der sie gemütlich unter Gini herschlendern kann. Als es dann ans Spielen ging hat Lisbeth gezeigt, dass sie recht wehrhaft ist und sich nichts bieten lässt, Gini hat sie dann weiter zum spielen aufgefordert, war aber deutlich vorsichtiger dabei.

Beim Spiel mit Katzenmäusen

Wenn es manchmal schneller gehen soll, Lisbeth anzulocken, kann man auch schonmal Gini vorschieben, da kommt sie meist sofort.

 

Lisbeth und Gretchen

Gretchen interpretiert das Lederfransenangelspiel auf ihre Art ...

Auch an Gretelkatze zeigt Lisbeth reges Interesse. Allerdings ist Gretchen dem neuen Katzenwesen im Haus gegenüber nicht ganz so aufgeschlossen, wie Gini, womit wir am wenigsten gerechnet hätten. So stolzierte Gretel die erste Woche stets an Liesbeths Box vorbei, um kurz inne zu halten und einmal in ihre Richtung zu fauchen, bevor sie weiter stolzierte.  Die zweite Woche hat sie das nicht mehr so regelmäßig getan und war beim gestrigen, längeren Freigang Lisbeths auch an ihr interessiert, vor allem, als wir mit der Angel gespielt haben, aber sobald das forsche Lieschen auf sie zuhüpfte, ging sie in Abwehrstellung und fauchte sie an. Lisbeth schreckt das nicht ab. Sie reagiert dann zwar mit Respekt darauf, ist aber weiterhin interessiert und beäugt sie dann aus sicherer Entfernung, bis sie sich dann wieder übermütig wird und Gretel wieder zum spielen auffordert.

Menschen noch nicht vertrauenswürdig

Den anderen Tieren im Haus begegnet sie also ohne das kleinste bisschen Scheu, sogar dem fauchenden und drohenden Gretel gegenüber ist sie viel offener, als dem Hausmenschen. Erste Reaktion ist immer: „Hiiilfe, du fütterststreichelstmichundputzmeinKlo zwar schon seit zwei Wochen, aber ich kenn dich eigentlich gar nicht!“ Und schwups weg. Wenn die Spielangel ausgepackt wird, sieht das allerdings ganz anders aus, da läuft Lisbeth zur Hochform auf und tobt, springt und hüpft bis sie umfällt.

Spielen geht immer ...

... bis zum Umfallen! Aber nach kurzem Nickerchen mitten auf dem Teppich ...

... ist LiLi wieder in Lauerlaune, hier fast perfekt verscholzen mit Ginis Kissen.

Allerdings muss man sagen, dass Lisbeth eine gewisse „Grundscheu“ vor Menschen abgelegt hat. So braucht sie sogar bei ganz fremden Besuchern nicht annähernd so lange zum Auftauen wie in ihren Anfängen hier im Haus. Sie hat zum Beispiel mit Begeisterung mit Tanja ein Grashalmspiel gespielt, als diese mit Adi zu Besuch gekommen ist. Die beiden haben ihr sogar ein Geschenk mitgebracht! Nahrhafte Babypaste, die Lisbeth jetzt jeden Abend noch zusätzlich in ihre Milch bekommt.

Tanja hat aus einem Grashalm ein unwiderstehliches Spielzeug gemacht

Nach der schnellen Entwicklung der ersten Zeit mache ich mir Gedanken darüber, dass Lisbeth nach wie vor diesen Fluchtinstinkt nicht ein Stück weiter abgelegt, hat, der sie sofort weglaufen lässt, sobald Mensch sich erhebt oder auf sie zubewegt. Zwar merkt man einen deutlichen Unterschied in ihrem Verhalten, jetzt, da sie frei herum läuft, wenn ihre bekannten zwei Menschen mit ihr im Zimmer sind, oder noch ein unbekannter Mensch dazu, aber man muss auch als bekannter Zweibeiner erst einmal in die Tiefe gehen, ruhig sein und sie mit Essbarem anlocken. Wenn man dann einmal mit dem Streicheln angefangen hat, ist alles prima. Sie liebt es sogar mit dem Furminator gestriegelt zu werden und bürstet sich quasi schnurrend selbst damit das Fell. Aber bitte bloß keine Unterbrechung dabei, dann geht alles von vorne los. Wenn ich Sabines Berichte lese, hoffe ich umso mehr, dass Gretchen bald ihr ablehnendes Verhalten ablegt und Lisbeth auch das eine oder andere von sich lernen lässt, im Umgang mit dem Menschen zum Beispiel. Wenn Lisbeth jemanden hätte wie Maxi, würde es ihr vielleicht auch leichter fallen, sich dem Menschen zu öffnen. Die Hoffnungen liegen also auf der lieben Gretel. Bis es soweit ist, packe ich erst einmal wieder den Katzenpudding aus und wende diese Geheimwaffe zur Annäherung im freien Wohnzimmer an. In der Box hat es prima geklappt und wenn sogar Emmy damit zu ködern ist, dann kriegen wir Lisbeth auch im größeren Raum, nur Geduld muss sein. Da kann ich auch wieder von Sabines großem Erfahrungsschatz profitieren, die ja in einem vorangegangenen Beitrag geschrieben hatte, dass mit einer wilden Katze bei der kleinsten Veränderung die Karten neu gemischt werden. So wird es auch nicht langweilig und entschädigt wird man auf jeden Fall von einer total verspielten Lisbeth, die im Wohnzimmer jetzt immer so richtig loslegt, sobald sie frei ist. Die kleine Maus hat jede Mühe verdient und gibt dafür hundert Mal zurück.

Kleine Prinzessin

9 Kommentare zu “Kleine Katze, große Wohnung – Lisbeths Tagebuch (5)

  1. Gib Gini und Gretchen mal ein dickes Küsschen von mir.
    Gini sorgt im Grunde dafür, dass Lisbeth keine Scheu vor Hunden hat, aber darüber sprachen wir bereits: Kommt immer auf den Hund an.

    Und auf die jeweilige Verfassung kommt es an. Ich kann nicht behaupten, dass ehemals wilde Katzen ihre Scheu jemals ablegen. Eher sage ich Ja, sie tun es nie.
    Ich sprach vor kurzem noch mit einer älteren Frau, die Ex Daisy aufgenommen hätte. Sie hat Erfahrung und selbst eine ehemals wilde, die sie mit vier Monaten aufnahm. Diese Katze ist inzwischen vierzehn, aber sobald der anwesende Hund bellt oder eine ihr fremde Person die Wohnung betritt, versteckt sie sich, wie von Anfang an.

    Das ist Ansichtssache: Entweder man akzeptiert dieses Misstrauen oder eben nicht. Die erste Aufgabe besteht darin, zumindest zu verhindern, dass ein solches Tier sich bei bester Gelegenheit in einem Sofa vergräbt und nie wieder zum Vorschein kommt und lieber verhungert, als sich auf einen Menschen einzulassen.
    Das ist schon ein wichtiger Schritt.
    Den Rest muss man den Tieren überlassen, entweder es klappt oder nicht. Man selber macht in dem Momemt keine Fehler, der erste Schritt ist, wie gesagt, der wichtigste.
    Wieder einmal ganz tolle Fotos, Christine, Danke dafür!!

  2. Ja Sabine, da hast Du natürlich recht. Wobei ich sagen muss, dass diese Scheu Fremden gegenüber nicht einmal charakteristisch für Wildkatzen sein muss. Auch da kommt es auf den jeweiligen Charakteran, denn ich habe eine Menge Katzen von Weitem gesehen, die niemals auch nur eine Pfote in die Wildnis gesetzt haben und dennoch Fersengeld geben, wenn Fremde die Wohnung betreten.
    Insofern bin ich auf die Entwicklungen der nächsten Woche gespannt, in der Lisbeth-Lieschen viel Auslauf und auch wieder Besuch bekommen wird.

    P.S. Zu den Fotos: Erkennt ihr auf einigen auch ein Fischgrätenmuster auf Lisbeths Schwänzchen?? Vor allem auf dem, auf dem Gretel ihr … na ja … das Köpfchen streichelt … räusper.

  3. Ein Fischgrätenmuster? Hm, ja, mit viel Phantasie schon. Eine Kette erkenne ich nun auch, die Körper von Schwanz trennt.
    Ihr habt einen schönen Holzboden. 🙂

    Was Du sagst stimmt, denn es sind Katzen. Und wer kennt Katzen wirklich? Sie suchen sich ihre Menschen aus, abgesehen vom Vorleben. Das macht sie ja so einzigartig, jede für sich.

  4. Ich bin begeistert, was das für ein hübsches Tier ist, dieses weiße Bein, wie ein Knieoverstiefel – einfach süß!
    Und wie spannend die einzelnen Entwicklungsstationen zu lesen sind, ich finde ja, dass die Mieze große Fortschritte gemacht hat.

  5. Duuhuuu, Christine, zwei der Bilder werden nicht angezeigt (P1000761 und P1000763) 😉

    Ansonsten finde ich, du wirst ungeduldig 😉
    Überlege mal wie scheu Lisbeth anfangs war, dagegen ist das doch jetzt schon ein Fortschritt, den wir uns anfangs gar nicht vorstellen konnten, und das alles wegen deiner ruhigen und liebevollen Zuwendung *knuddel*
    Also: Geduld! 😉

    Der Bericht war wie immer toll zu lesen! 🙂

    Liebe Grüße von
    Sylvia und der Rasselbande

  6. Danke für den Hinweis, Sylvia, die Bilder waren irgendwie gelöscht?!
    Habe ich wieder hochgeladen und was die Ungeduld angeht, so hast Du völlig recht, zumal Lisbeth mich da Lügen gestraft hat und immer öfter kurz zum schuppeln kommt und sich selbst wenn Besuch da ist nicht nennenswert versteckt, sondern eher neugierig die Neuigkeiten beäugt.

    Ich bin froh, dass mir hin und wieder mal der Kopf gewaschen wird, man neigt dazu zu vermuten, dass etwas nicht stimmt, wenn man es mit anderen als Kampfschmusekatze Gretel zu tun hat und dabei schreitet dieses kleine Katzenkind doch so schnell weiter in ihrer Entwicklung.

    Liebe Grüße an Dich und die Rasselbande
    Christine

  7. Ich wollte dir nicht den Kopf waschen! 😉
    Ich denke eher, dass es nach den Anfangsschwierigkeiten so schnell aufwärst ging, dass du verwöhnt bist 😉
    Ich finde die Fortschritte von Lisbeth einfach unglaublich und mir kam gerade eine Frage in den Sinn:
    Kannst du die kleine Maus echt wieder abgeben? 😉

    Liebe Grüße,
    Sylvia

  8. das mit dem abgeben wird bestimmt schwierig, wenn sie länger da bleibt…
    ansonsten hat Sabine bestimmt immer wieder eine arme Seele, die erst mal menschenfest gemacht werden muss und wenn Christine dafür frei ist…

  9. Ja, wieder einmal habt ihr das Gespür für den richtigen Zeitpunkt gehabt. Heute wurde mir schon ein wenig mulmig bei dem Gedanken, dass es bald schon so weit sein könnte.
    Aber ich weiß, dass Lisbeth ein Königskindleben bei ihren neuen Menschen hätte. Die Beiden sind so nett und tierlieb, die machen alles für sie und ich glaube sogar, wenn sie erstmal auf den Geschmack gekommen sind, könnte Lisbeth glatt noch ein Geschwisterkätzchen bekommen.
    Drücken wir also alle ganz fest die Daumen, dass es klappt!

    Liebe Grüße und eine gute Nacht
    Christine

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s