Wochenbericht der zwei Minitiger oder – Emmy, der Charakterkopf

Und wieder verging eine Woche im Eiltempo, mit Entwicklung, Freude,  Leid und Geschehnissen.

In dieser Woche besuchte ich meinen Tierarzt nur einmal – und sogar alleine. Lediglich mit einem Döschen in der Tasche, das Kotproben der beiden Minitiger enthielt. Diese Proben wurden verrührt, mit Wasser vermischt und unters Mikroskop gelegt, oder so ähnlich, jedenfalls ließ die süffisant lächelnde Diagnose des Tierarztes nicht lange auf sich warten: „ Doch, doch, sehr interessant, was ich da alles sehen konnte.“

Und, wie gesagt, er lächelte sein Lächeln. Da weiß ich nie so genau: Nimmt er mich auf den Arm? Ist alles halb so wild? Oder wie jetzt? Jedenfalls hielt ich meine Geldbörse fest umschlungen und flehte sie an, Euros zu produzieren.

Nun ja, die Ursache des ständigen Durchfalles dürfte geklärt sein, denn Emmy und Maxi beherbergen immer noch einen halben Zoo in ihrem Inneren. Trotz damaliger Wurmkur per Spritze sind es Spulwürmer, Bandwurmeier und irgendetwas mit Kok…

Das Wort konnte ich mir nicht merken, da ich mir Menge der Gaben, Dauer und zwischenzeitliche Pausen der drei Mittel, die ab sofort verabreicht werden sollten,  einhämmern musste. Er schrieb jedoch alles auf einen Zettel, wobei ich die Schrift sogar entziffern kann.

Kok… suchte ich bei Google und es sind böse Kokzidien.

Bei Wikipedia wird neutral und emotionslos beschrieben, doch ich machte den wiederholten Fehler und schaute weiter, bei „Wer weiß was“ und in verschiedenen Katzenforen. Vor einiger Zeit, als ich vorsichtig wegen Gebärmutterentzündung und Nierenversagen suchte, schwor ich, niemals wieder auf solchen Seiten zu lesen. Ich kam zu dem Ergebnis, dass man schwermütig bis hin zur Selbstaufgabe wird, dass es Grummeln im Magen und Juckreiz verursacht, da es in diesen Erfahrungsberichten und Laien – Ratschlägen grundsätzlich um Leben oder Tod, und um schlimme Übertragungen auf den Menschen geht. Meist Erfahrungsberichte über falsche Diagnosen, wobei die jeweiligen Tierärzte an den Pranger genagelt werden.

Ein Zwischending fand ich nie, aber mein erster Schritt führt immer zu einem studierten Fachmann. Ein zweiter Fachmann würde eventuell eine andere Behandlungsmethode wählen, aber das sagte selbst mein Tierarzt. Dass er zu einem Lehrgang musste und die Teilnehmer vorab Fallbeispiele diagnostizieren sollten und er fragte mich: „Was glauben sie, bei zehn Teilnehmern, wie viele unterschiedliche Diagnosen gab es?“

„Hm, zehn?“

„Genau!“

Ich zog mit Baycox, Panacur und Milbemax von dannen. Sollte sich nach dieser Therapie immer noch keine Besserung einstellen, müssten die Minitiger noch einmal persönlich vorbei kommen (ja, dann mal los mit euch), die Katzenklos dreimal pro Woche heiß auswaschen und möglichst in Quarantäne halten.

Obwohl Emmy die Kämpferin ist und auch draußen mit Sicherheit nicht verhungern würde, so war sie diejenige, der untergemischtes Baycox so gar nicht mundete. Somit ist sie trotz allem eine Feinschmeckerin und spuckte die Hälfte mit scheinbar langen Zähnen wieder aus. Baycox besteht aus einer milchigen Substanz, die für zwei Katzenwelpen und drei Tage lang mit 0,25 ml verabreicht werden soll. Ich versuchte es mit Thunfisch, mit Whiskas, mit Sheeba – aber Emmy mochte nicht wirklich. Maxi haute rein, auch Emmys Anteil, obwohl ich die Teller jeweils  hin und her schob, damit  jeder Tiger seine Ration bekam.

Drei Tage lang Baycox, anschließend Panacur, ein paar Tage Pause, Wiederholung mit Baycox… bis dahin lesen wir uns.

Die heutige erste Gabe von Panacur, gegen die hartnäckigen Würmer, war einfach zu Händeln. Eine halbe Tablette für zwei Katzenwelpen zermörsert auf zwei Teller verteilt, gemampft, auf Wirkung warten und hoffen. Emmy musste sich übergeben,  aber erst Stunden danach.  Emmy…

Was Emmy anbelangt, so ist sie kaum noch eine harte Nuss, sondern ein Charakterkopf den man einfach nur akzeptieren und lieb haben muss.

Mit Speck fängt man angeblich Mäuse, mit gegrilltem Hähnchen tatsächlich die schwierigsten Katzen und mit Katzenpudding Klein – Emmys.  Sie ist immer noch unsicher und versteckt sich hinter erlernten Ratschlägen ihrer Mutter. Sie faucht, aber das Fauchen vermischt sich mit Freude, und sie wandelt zwischen Mögen und Abwehr. Komme ich ins Badezimmer, ist erst einmal Flucht und Freude angesagt. Einerseits um die Welt zu sehen, andererseits um endlich, endlich wieder, nach angeblich  ewig langer Zeit, vom  Futterlieferanten beköstigt zu werden.

Maxi ist inzwischen völlig „normal“. Da man als Mitmieter auch hin und wieder das Bad benutzen muss, ist ein Gang zur Menschentoilette unumgänglich. Man muss allerdings schnell sein, denn Maxi liebt es auf die Klobrille zu springen und gebannt in den wirbelnden Wasserstrom zu schauen, der vor ihren Augen in die Tiefe gurgelt. In einer Küche würde sie einen dampfenden Topf vom obersten Schrank aus beobachten. Sie ist ein aktiver Wirbelwind, der vor nichts zurück schreckt und Mensch zwischen die Beine läuft, so dass jederzeit Gefahr des „Halsbrechens“ besteht. Selbstverständlich nur für Mensch.

Emmy interessiert das alles nicht, denn für sie  geht es ums nackte Überleben! Frage ich: “ Och, Emmiken, hast du Hunger?“ Dann setzt sie sich inzwischen relativ nah und entspannt vor mich, schaut mich verzweifelt an, macht ihr Mäulchen weit auf, damit ich ihre hübschen Milchzähne sehen kann, und gibt ein Herzerweichendes Quietschen von sich. Tja, mit den Jahren  wird es ein Miauen.

Was den Katzenpudding anbelangt, so unterstützte ich in dieser Woche gewisse Markenhersteller ebenfalls bei dieser neuen Erfindung. Im Grunde unnütz, da Zucker verwendet wird, aber wenn es  hilft, dann ist es in Maßen noch in Ordnung. Christine machte mit Lisbeth gute Erfahrung der Annäherung, und was soll ich sagen? Selbst Emmy ließ sich darauf ein.

Zuerst füllte ich den Pudding auf einen Eislöffel mit langem Stiel und hielt ihn Emmy vor das Näschen. Sie schnupperte, aber dann zog sie sich zurück. Das blinkte =  doofer Löffel = Luxus, den keine überzeugte Wilde braucht.

Maxi schnupperte nur einmal und leckte den Löffel leer. Das beobachtete Emmy und beim zweiten Versuch war sie die erste, denn: Es geht schließlich ums nackte Überleben!

Der Mensch ist ein Biest, deshalb gab es anschließend keinen Löffel mehr, sondern Finger.

Bei gekochter Hähnchenbrust ist es genau anders herum, denn Emmy wird zur knurrenden Furie, sobald es um ein zu identifizierendes Stück Nahrung geht. Mit Schneckchen versteht sie sich inzwischen gut: Schneckchen knurrt und faucht und Emmy gibt Antwort in selbiger Sprache. Maxi guckt nur und scheint zu denken: Was will die Alte von mir?

Ansonsten musste ich mich in dieser Woche ärgern und durfte mich freuen, wie jeder von uns. Ärgern musste ich mich wegen des zweijährigen Johnny Zappel. Nicht wegen ihm, aber wegen (in meinen Augen) falsch verstandener Tierliebe.

Kater Johnny wurde vor über einem halben Jahr mitten in einer Großstadt aufgegriffen, als er miauend in einer Tiefgarage saß und einer Mieterin bewusst hinterher lief. Sie zögerte nicht lange und nahm ihn mit. Mit zu sich nach Hause, wo Vater, Mutter und drei weitere Katzen auf der fünften Etage ohne Balkon wohnen. Im ersten Moment das Beste für einen Hilfe suchenden Kater, aber nicht auf  Dauer.

Der Vater (in Absprache mit Tochter) sprach mich an, ob ich helfen könne, bei Beschaffung eines richtigen Zuhauses, da Kater definitiv nach Auszug ausgesetzt worden war, wie Recherchen ergaben. Kater wurde Johnny Zappel genannt, weil er die vorhandenen drei Katzen ständig auf Trapp hält und seinen Bewegungsdrang nicht ausleben kann. Es dauerte, es dauerte über ein halbes Jahr lang, aber in dieser Woche meldete sich ein Rentnerehepaar, das einen möglichst roten und älteren Kater sucht, nachdem ihr eigener verstorben war. Ich telefonierte mit der Frau und hatte einen sehr guten Eindruck.

Johnny würde Prinz werden, in einem Einfamilienhaus mit großem Garten, in einer verkehrsberuhigten Sackgasse. Er hätte Kumpel in der ganzen Umgebung, könnte auf Bäume und auf Dächer klettern, wie Johnny Zappel es mag. Zu Hause wäre eine zuverlässige Urlaubsvertretung und  Johnny könnte rein, raus und selbst im Bett schlafen, wenn er denn mag.

Die Tochter und gestandene „Finderin“ möchte Johnny Zappel behalten, da sie in ungefähr zwei Jahren nach England zieht und ihn dann mitnehmen will…

Freuen konnte ich mich über den sechs Monate alten Kater Tommy, der vor drei Wochen am Hafen gefangen wurde und sich als relativ Zahm herausstellte. Bisher lebte er in bekannter Dachkammer, aber Heike nahm ihn am Dienstag erst einmal zu sich.

Wie immer: Danke, Heike!!

Relativ, das hat was mit Einstein zu tun und nichts mit Katzen. Aber Tommy benimmt sich nicht so wild, wie viele andere. Das spürt man, kann es mit Worte kaum erklären, aber in dem Moment muss man versuchen eine bessere Möglichkeit zu finden. Tommy lebte mit zwei schwarzweißen, ebenfalls ungefähr sechs Monate alten Katzen (gefangen, kastriert, wild und wieder herausgelassen) an selbiger Stelle.

Und was mich ebenfalls freute ist folgendes:

Ich bekam am Donnerstag einen Anruf eines mir bekannten Mitarbeiters der anliegenden Fabrik, wo 2 x Schwarzweiß und Tommy her kommen, und er fragte ob er eine Falle geliehen haben könne. Einer seiner Katzenfreundlichen Kollegen würde seit Wochen eine schwarzweiße, sehr scheue kleine Katze auf dem Gelände anfüttern und wenn er sie „kriegen“ könnte, dann würde sie bei ihm ein perfektes Zuhause bekommen, zusammen mit Tierheimkatzen in grüner Umgebung.

Die Falle brachte ich gestern sofort in besagter Fabrik (auch eine derer, die vor Jahren Katzen als Mäusefänger anschafften und nun nichts mehr davon wissen) vorbei, froh in den hinteren Bereich hinein zu dürfen, da dieses Terrain für „Spinner“ normalerweise verbotenes Gebiet ist. Und ich wünschte ganz viel Glück, denn wenn es sich um eines der bereits kastrierten, schwarzweißen handelt, dann wirklich viel Spaß beim Zähmen! Sollte sich noch ein gleich aussehendes Geschwisterchen dort aufhalten, dann vielen Dank für die abgenommene Arbeit!

Ich wünsche mir, dass miteinander kommuniziert wird. Speziell in diesen genannten Fällen würde es Arbeit und Unwissen ersparen. Ein langer Weg, wie viele lange Wege in unserer Gesellschaft – aber wir arbeiten dran.

Zum Schuss ein weiteres Herbstbild, vom selben Baum.  Sieben Tage und hunderte  Blätter später.

Danke für Eure Aufmerksamkeit und bis bald.

 

6 Kommentare zu “Wochenbericht der zwei Minitiger oder – Emmy, der Charakterkopf

  1. Hallo,

    die beiden Kleinen sind wirklich süß. Ich finde es immer wieder sehr interessant deine Artikel zu lesen und freue mich auf neue Geschichten von den Kleinen. Maxi und Emmy laufen mit Lisbeth in ihrer Entwicklung richtig um die Wette. Wie so wilde kleine Katzenkinder ihre Angst verlieren und spielen bis zum Umfallen ist wirklich eine schöne Entwicklung. Nur weiter so.

    Viele Grüße

    Manuela

  2. Hallo Manuela,

    ganz lieben Dank für Deinen Kommentar!

    Endlich mal jemand der sich traut! 🙂 Weil, manchmal denkt man die Berichte ins Weltall zu schicken und niemand kriegt es mit.

    Ja, stimmt, ein echtes Wettrennen. Solch eines gibt es nicht häufig und nur der Zufall macht`s möglich.

    Liebe Grüße
    Sabine

  3. Sabine, die sind wirklich wunderhübsch die Beiden, ich drücke die Däumchen und wünsche viel Erfolg mit den ganzen Wurmkuren. Wenn die Beiden das überstanden haben, geht die Entwicklung vielleicht auch nochmal anders voran.

    Dein Baum ist übrigens im Vergleich zu dem Kirschbaum vor meinem Fenster noch recht sommerlich gekleidet! Meiner ist schon völlig nackt und gibt unbarmherzigen Blick auf leere Meisenringe frei.

    Katzer Tommy ist ein ganz hübscher, halt uns auch mal auf dem Laufenden, wie er sich entwickelt.

    Feiert noch ganz viele Puddingfeste, das werden wir hier auch tun, mal sehen, wer zuerst zufrieden mit dem Bauch nach oben daliegt.

  4. Liest sich gut, trotz all der Würmer …
    Und ich kann Deinen Ärger so gut verstehen – zwei Jahre sind eine lange Zeit, den Kater solange in ungünstiger Haltung „aufsparen“ als ob es in England keine Katzen gäbe – naja, ohne Worte.
    … und die Heike ist wirklich ein Schatz für den Tierschutz.

  5. Uah 😕 Kokzidien … ätzend! Aber wenn es dich tröstet … Giardien sind noch viel schlimmer und hartnäckiger 😉

    Der Fortschritt den du von der (gar nicht mehr so) harten Nuss beschreibst ist klasse! Das wird schon noch, wirst sehen, irgendwann hängt sie dir am Rockzipfel 😉
    Weiterhin gute Besserung für díe beiden kleinen Scheisser!

    Was die Gabe von Medikamenten angeht gibt es bei der Rasselbande einen Grundsatz: Bagger auf und rein! Aber das würde bei den beiden im Moment nach hinten losgehen, oder? 😕

    Johnny Zappel … habe ich das jetzt falsch verstanden? Er darf nicht umziehen? 😦

    Für die ganzen Fundkatzen (komme gar nicht mehr mit) alles gute!

    Liebe Grüße,
    Sylvia

  6. Pingback: Kater Tommy sucht ein Zuhause « Katzen-Heimat-Blog

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