Wochenbericht der zwei Minitiger oder- Emmy, die harte Nuss

Das war wieder eine erlebnisreiche Woche, die damit endete, dass ich heute schnell und ungeplant zu meiner Katzen- Tierärztin musste um für Schneckchen weitere Medikamente zu besorgen. Gestern hatte sie nach einiger Zeit – und erfolgreicher Therapie – erneut Blut im Urin, und  es gab ein zusätzliches Mittel, das nun nach Anweisung per Absprache gespritzt werden muss.

Am Mittwoch war es Hündin Gipsy, die mir Sorgen bereitete und auch wegen ihr musste ich zu meinem Hunde- Tierarzt, der nicht in die Zukunft blicken kann, aber das jeweilige Problem bisher perfekt in den Griff bekam. Er kennt Gipsy nun sechzehn Jahre lang und wird wissen, was richtig ist.

Beide, Gipsy und Schneckchen, befinden sich im „knackigen“ Alter und sie wechseln sich ab. Geht es dem einen gut, dann hapert es bei dem anderen.

In erster Linie soll es hier jedoch um die beiden Minitiger gehen und auch sie sorgten für erlebnisreiche Stunden.

Wenn ich ein Märchen über Emmy und Maxi schreiben würde, dann könnte es in charakteristisch verfasster  Kurzform folgendermaßen aussehen:

Es waren einmal zwei Kätzchen, die großen Tigern sehr ähnlich sahen. Sie hießen Emmy und Maxi und lebten gemeinsam in einem Häuschen, mitten in einem dunklen Wald. Sie waren noch sehr klein und ein böser Troll war gekommen und hatte ihre Mutter mitgenommen. Von Stund an waren sie auf sich alleine gestellt und  mussten nicht nur das Häuschen sauber halten, sondern auch lernen, wie man an Futter und Wasser gelangt, sich vor Feinden schützt und wie man sich verteidigt.

Bisher hatte ihre Mama dafür gesorgt, aber nun mussten sich die Kätzchen alleine um all das kümmern. Nachdem sich Emmy und Maxi einige Tage voller Angst in einer Ecke versteckt gehalten hatten und spürten, dass der böse Troll nicht zurück kommen würde, setzten sie sich an den kleinen Holztisch, der mitten in der Stube ihres Häuschens stand, und überlegten hin und her.

Emmy war immer sehr aufmerksam gewesen und hatte ihre Mutter bei den zu verrichtenden Arbeiten beobachtet. Somit wusste sie genau, wie eine Katze überleben kann.

„Mäuse, die gehören in erster Linie zu unsere Nahrung“, sagte Emmy.

„Ach“, antwortete Maxi, „was du nicht sagst.“

„Ja, und Misstrauen, Misstrauen unseren Feinden gegenüber ist das wichtigste Kapitel in der Katzenfibel!“

„Misstrauen, och, ein bisschen mag ich misstrauisch sein, aber das ist mir zu anstrengend“, antwortete Maxi. „Mal angenommen da kommt etwas Bequemes, was uns das anstrengende Leben erspart, huii, da wäre ich aber schön blöd, wenn ich darauf nicht eingehen würde.“

„So etwas gibt es nicht“, widersprach Emmy heftig, „alles ist böse, egal ob es uns Fresschen gibt oder nicht!“

„Aber Ausprobieren könnte man, oder?“, fragte Maxi und räkelte sich auf dem kleinen Holztisch.

„Das sind Fallen, glaube mir Maxi, sie wollen uns nur locken und dann… dann sind wir auch fort, genau wie unsere Mama.“

„Vielleicht ist das Fortsein gar nicht so schlimm?“, sagte Maxi und blinzelte schläfrig aus dem Fenster.

„Ach, mit dir kann man nicht vernünftig reden, ich wünschte Mama wäre hier!“. Emmy plusterte ihr Fell auf und blickte unruhig in die Zukunft. „Wir müssen einen Plan erstellen, das hat unsere Mutter auch immer getan. Als erstes verteilen wir Aufgaben.“

„Aufgaben?“, murmelte Maxi.

„Jawohl, Aufgaben zwischen uns beide verteilt. Du übernimmst das Häuschen, fegst, putzt und so was alles. Und ich besorge die Mäuse oder all das, was eben geboten wird.“

„Wenn du meinst“, gähnte Maxi. „Sei doch nicht immer so pessimistisch Emmy, meine Güte, wir haben bestimmt noch ganz viele Jahre vor uns. Abwarten, annehmen, ausprobieren und vertrauen.“

„Bisher kann ich das nicht“, antwortete Emmy, „dazu ist es noch zu früh.“

Einige Zeit verging und Emmy und Maxi hatten immer genug zu essen, sie wurden größer und stärker.

Das Häuschen musste abgerissen werden, weil Maxi sich nicht darum  kümmerte. Meist lag sie in der Sonne, hatte Spaß am Leben und freute sich über die gefangenen Mäuse von Emmy. Maxi heiratete eine Prinzen, der ein großes Schloss besaß und in dem sie sich verwöhnen lassen konnte. Emmy lernte einen ehrlichen Schlosser kennen, der mit seinem Handwerk Lebendfallen baute, für gute Taler verkaufte und damit verhinderte, dass es Katzenelend, mit kleinen oder großen Katzen, weiterhin geben konnte.

So sah zum Beispiel der Garten aus,  vorher

und irgendwann:

(Ohne Quatsch, aber so sah das Gras nach einer Nacht mit den Tigern aus.)

Genau so kann man die beiden Minitiger unterscheiden und einschätzen. Emmy hat wirklich von ihrer Mutter abgeschaut, denn Mutter „Madame“ sah ich am vergangenen Mittwochabend. Sie beobachtet, versteckt sich und ich sehe lediglich ihre Ohren und eventuell ihr Gesicht. Ich muss mich entfernen, erst dann kommt sie zur Futterstelle. Hier haben Emmy und Maxi wahrscheinlich auch ihr Futter gefunden, wie Mama es ihnen zeigte. Ich hatte sie nie zu Gesicht bekommen, erst als sie in der Falle hockten. Tarnung ist alles und das lernten sie perfekt.

An selbiger Stelle hält sich Minki auf und sie ist mittlerweile so weit:

Am Dienstagabend passierte mir ein kleines Malheur. Ich war um 23.00 viel zu spät dran, ging ins momentane Tiger Badezimmer, um mich menschlich „fertig zu machen“, und ließ die Tür einen winzigen Spalt breit auf. Zuerst entwischte Maxi und keine zwei Sekunden später Emmy. Sie liefen einmal links  um die Ecke und turnten sofort im Schneckchenzimmer herum, was eigentlich ursprünglich das Büro des Wohnungsmitmieters ist. Naja, ein Büro ist es seit Einzug Schneckchens eh nur noch zur Hälfte und seitdem die Tiger drin waren…

Ich war zu müde und irgendwie war mir alles egal und irgendwie gönnte ich ihnen den Spaß.  Jedenfalls waren Emmy und Maxi FREI und keine Chance sie ins Badezimmer zurück zubekommen. Ihnen hinterher jagen wäre die schlechteste Idee gewesen, somit abwarten und erst einmal schlafen. Ein paar Stunden später, um 5.00 Uhr, bimmelten die Wecker und ich versuchte mein Glück mit erwärmtem Thunfisch von Sheba. „Emmy, Maxi, kommt schnell!“ Es dauerte keine drei Sekunden und die beiden Minitiger standen Gewehr bei Fuß. Ab ins Bad und Tür zu. Anschließende Geruchskontrolle versprach Sauberkeit, aber das konnte ich kaum glauben, da sie im Badezimmer alle Ecken nutzen, nur ihre Katzenklos selten.

Eine Pfütze entdeckte ich nach Feierabend  hinter dem Sofa, aber kein einziges Häufchen. Okay, also krabbelte ich hinters Sofa und wischte den Teppich möglichst unauffällig wieder auf ehemals Hell.

Da beide immer noch Durchfall haben, fragte ich am Mittwoch gleichzeitig bei meinem Hunde-Tierarzt, bei dem ich auch wegen der Wurmkuren war, weil Katzen Tierärztin seinerzeit Urlaub hatte. Ich solle Kotproben sammeln, da es sich auch um Giardien usw. handeln könne. Es dürfe sich nur kein Streu in den Proben befinden. Schon klar und fällt mir leicht, da die Zwerge  Proben aus dem Waschbecken oder der Badewanne zur Verfügung stellen.

Was den Vergleich zwischen Emmy und ihrer Mutter ebenfalls deutlich macht, ist ein Beweis von irgendeinem Abend in der vergangenen Woche. Für meine zahmen Hafenkatzen koche ich einmal wöchentlich Hähnchenbrust, die gar nicht so schnell auf die jeweiligen Teller verteilt werden kann, wie die gewürfelten Stücke mitsamt Brühe verputzt werden. Ich sparte etwa ein Fünftel auf, schnitt es in zwei grobe Hälften und bot es Emmy und Maxi an. Maxi freute sich, rieb ihr Köpfchen an dem Stückchen Fleisch. Emmy beobachtete, bekam große Augen und wusste sofort, wie ein größeres Stück Fleisch behandelt werden muss. Sie nahm es mir aus der Hand und hielt es korrekt zwischen den Pfoten – diesmal schaute Maxi ab.

Heute ist mir auch alles egal, weil es Schneckchen und gleichzeitig Gipsy wieder (Toi,Toi,Toi) besser geht und deshalb ist Tag der offenen Türen. Seit Stunden können Emmy und Maxi rein und raus, was sie auch ausgiebig nutzen. Zurzeit ist Päuschen hinter Regalen angesagt, während ich das schreibe. Mit Speck fängt man Mäuse und mit Thunfisch, Kittenfutter, nettem Stimmchen (“Eeeemmmyyy, Maaaaxi, Fresschen“) eben  Minitiger. Ich hoffe, von dünnen Häufchen auf dem Teppich verschont zu bleiben, zwei Katzenklos stehen vor sich hin. Ohhhh, BITTTEEE!!!

Wie Ihr seht, unterscheiden sich diese beiden Schwestern völlig voneinander und trotzdem gehören sie zusammen, weil die eine von der anderen lernt. Emmy bezeichne ich als harte Nuss, aber sie zu knacken bedeutet einen weiteren Meilenstein bewegen. Schneckchen brauchte über zwei Jahre, wo sie sich in weit fortgeschrittenem Alter vorsichtig entschied, Vertrauen zu fassen. Ich habe Eide geschworen, dass es mir niemals gelingen würde, diese Katze jemals streicheln, anfassen, geschweige denn mit nach Hause  nehmen zu können, musste mich aber Dank Schneckchen eines Besseren belehren lassen. Es begann hinter einem Zaun, der uns voneinander trennte. Dort steckte ich einen Finger durch, an dem sie schnupperte, nach und nach vorsichtig daran kaute und ihr Köpfchen rieb.

Sie hätte schon längst Hilfe benötigt, da sie an chronischem Nierenversagen, Harngries und, und, und  leidet, im vorletzten Winter zitternd vor mir saß, aber Mensch ist hilflos, wenn Katze sich nicht helfen lassen will.  Heute ist Schneckchen die Sofa Königin.

Am Donnerstag gab es ein (für mich) überwältigendes Erlebnis, und ich bin ewig dankbar, für dieses kleine, für andere unwichtige, Ereignis. Für mich ist das Glück, wobei man oft hört, dass kaum jemand den Begriff „Glück“ definieren kann.

Katze Muckl ist eine so genannte Glückskatze. In meinen Augen, also vermenschlicht, hat sie einige schwere Schicksalsschläge erleben müssen. Als ich sie vor vier Jahren im Zuge der damaligen Kastrationsaktion kennen lernte, so hatte sie bereits Junge und zwei überlebten. Ob es mehr Junge waren weiß nur sie, denn sie wurde an einem Freitagabend gefangen und Montag operiert. Erst während der OP stellte der Tierarzt fest, dass Muckl eine säugende Mutterkatze ist und sie musste sofort wieder heraus gelassen werden. Wochen später entdeckte ich sie mit einem schwarzweißen und einem gleichfarbigen Baby. Diese beiden wurden gefangen und gut vermittelt, aber wie ging es Muckl dabei? Kurz danach wurde ihr Freund und sehr wahrscheinlicher  Vater der Kleinen aufgefunden.

Es war eindeutig Gift… und wir brauchen nicht erst bis Griechenland zu schauen.

Jedenfalls war und bleibt Muckl bisher unnahbar. Das höchste der Gefühle ist leises Maunzen, wenn sie sich freut. Mal bleibt sie Tagelang verschwunden, mal kommt sie zweimal täglich und pünktlich zur Futterstelle. Sie ist Vorratsesserin, so nenne ich die Katzen, die an Tagen viel und genüsslich essen können und dann wieder Tage lang untertauchen. Mir sind die Regelmäßigen lieber, da man sich nicht immer Sorgen machen muss, aber man muss das einzigartige Katzenleben respektieren.

Muckl jedenfalls kam am Donnerstagmorgen pünktlich angelaufen, freute sich und als ich die Schale (sie liebt „Miamor“) vor ihren Augen auf den Teller füllte, rieb sie ihren Kopf an meiner Hand. Das erste Mal, nach vier Jahren.

Die Minitiger stellen momentan Schneckchens Zimmer (also das ehemalige Büro) auf den Kopf, jagen sich gegenseitig und springen über Tisch und Bänke. Schneckchen schaut argwöhnisch vom Sofa aus zu: Ist wie Kino.

Somit verabschiede ich mich für heute mit einem  Herbstbild, das mich einerseits traurig stimmt, weil auch dieses Jahr im Zeitraffertempo zu Ende zu gehen scheint, andererseits bringt der Herbst einigermaßen milde Temperaturen mit sich, die weder Katzenfutter gefrieren lassen, noch Fliegen annimieren  ihre Eier abzulegen. Ja, ich weiß, seltsame Denkweise, aber so sind sie, die Querdenker.

Danke für Eure Aufmerksamkeit, ich hoffe, dass der nächste Wochenbericht mit „Emmy, die geknackte Nuss“, aufwarten kann.

Aber wenn nicht, dann nicht. Wir haben Zeit.

P.S. Sollte jemand zwischenzeitlich bereits gelesen haben und mindestens drei Millionen Ö`s in der Überschrift vorgefunden haben, so war das Schneckchen, die sich mit ihrem Popo gerne auf die warme Tastatur setzt. Zum Glück zerbröselte sie heute dadurch die Festplatte  nicht. Genau, auch das ist Glück!

8 Kommentare zu “Wochenbericht der zwei Minitiger oder- Emmy, die harte Nuss

  1. auch wenn das mit dem Klo noch nicht so klappt wie gewünscht, die entwickeln sich doch recht gut Deine Tiegerchen – wenn man den Ausgangsstand betrachtet und jetzt…

    und schön sind sie… mir hat es die marmorierte angetan 😉

  2. Ohh, ja, wie gesagt, sie sind noch zu haben. 😉

    Maxi, klar, das wird einfach mit ihr. Sie kann ohne große Probleme bereits vermittelt werden.

    Emmy ist diese Nacht ins Wohnzimmer getigert, die offene Treppe runter – nicht schlecht, sehr mutig.
    Anscheinend verlor sie dann aber die Orientierung und fand das Klo nicht. Jedenfalls lagen Häufchen hinter dem Sekretär und im Hundekorb…

  3. Häufchen im Hundekorb…

    also, wenn die so drauf wäre, wie es meine war, wäre das Häufchen im Hundekorb bewusst platziert gewesen 😉
    Die hat meinem Hund gern mal gezeigt, was sie von ihm hielt…

    Ich denke, das wird noch mit den Miezen und dann findet sich bestimmt auch jemand, der sie haben will. Vielleicht sogar jemand, der hier liest? Denn wo kann man schon so ein Märchen von seiner Katze erzählt bekommen wie hier?

    Ähmm, hat mir übrigens gefallen – das Katzenmärchen.

  4. Ich musste jetzt erstmal über den Querdenker grinsen :mrgreen:

    Mensch, bei dir war aber auch einiges los aber wie sagt mein Chef immer so schön: „Selbstgewähltes Schicksal“ 😉
    Viele Tiere – viele Sorgen, so ist das halt!

    Das die beiden kleinen Scheisser (sorry! ;)) sich so unterschiedlich entwickeln ist unglaublich. Aber trotzdem finde ich, man kann aus deinen Berichten eine Entwicklung lesen, wenn auch bei Maxi stärker als bei Emmy. Aber auch harte Nüsse werden irgendwann geknackt, wirst sehen!

    Habe deinen Bericht wie immer mit Spannung gelesen und zwar nicht nur über Emmy und Maxi 😉

    Liebe Grüße,
    Sylvia

    … und weiterhin gute Besserung für alle nicht ganz Gesunden!

  5. Pingback: Kater Filou sucht ein Zuhause! « Katzen-Heimat-Blog

  6. Pingback: Emmy und Maxis Mutter « Katzen-Heimat-Blog

  7. Pingback: Alles hat einen Grund … oder: Aktueller Vermittlungsstand der Zwerge « Katzen-Heimat-Blog

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s