Wochenbericht der Minitiger

Hier nun der Anfang eines regelmäßigen Wochenberichtes der Minitiger, denn der Begriff Tagebuch war echt zu hoch gegriffen. Es gibt viel zu viele Häufchen aufzusammeln und viel tut sich innerhalb eines Tages in punkto Tiger  nicht. Nicht  in einem Käfig, den weder ich noch die Minitiger mögen.

Aber Fortschritte können wir verzeichnen, vor allem was die eindeutigen Charaktereigenschaften von Emmy und Maxi anbelangen. Achso, genau, Namensgebung war ebenfalls ein Schritt in die Zukunft, wobei ich die eben genannten Eigenschaften zu Rate zog.

Maxi hat sich schon nach einer Woche maximal entwickelt. Sie lässt sich streicheln und klammert sich an meine Hand, sobald es Futter gibt und sich Langeweile breit macht. Sie mit der Hand hochheben geht auch schon. Sie ist vorwitzig, interessiert an jedem Geräusch, jeder Bewegung, aufmerksam, animiert ihre Schwester zum Spielen und freut sich des Lebens. Mit anderen Worten: „Das Leben ist toll und ich nehme es, wie es ist.“

Emmy ist das Gegenteil. Beide leiden immer wieder unter Durchfall, aber Emmy besonders. Bei ihr wurde letzte Woche ein stärkerer Wurmbefall festgestellt, der sie logischerweise etwas schlapp macht. Sie ist die ruhigere, in menschliche Gefühlswelten verlagert würde man sagen: „Die nachdenkliche, die das Leben schwer nimmt.“

Rechts Emmy, links Maxi.

Sie scheint ihre Mutter zu vermissen, denn Emmy war es, die in der Dachkammer bei „Gefahr“ sofort zu ihrer Mama auf die Fensterbank sprang und den Kopf unter Mamas Bauch versteckte.

Ich verstehe das, wir arbeiten dran, denn Emmy liegt mir besonders am Herzen. Wenn sie Hunger hat (und den haben zum Glück beide  ständig), dann guckt sie mich an und faucht. Nach und nach wechselt das Fauchen (seit heute) zu einem leisen Minitigermiauen, dabei guckt sie mich an und scheint zu überlegen: Freund oder Feind?

Links Emmy und rechts Maxi. Emmy trägt  langhaarigen Look und fällt durch ihren traurigen Blick auf, der verschwindet sobald es Fresschen gibt. Manchmal mag sie nicht mehr, aber Reste kann Maxi nicht sehen. Somit die perfekte Ergänzung.

Ich akzeptiere ihr Misstrauen und lasse sie in Ruhe. Emmy muss den Anfang wagen, genau wie Maxi. Sie sieht unverständlich aber interessiert zu, wenn sich ihre Schwester Maxi dem Menschen „hingibt“, aber das ist in Ordnung, denn wir haben Zeit.

Den Hasenstall stellte ich vergangenen Dienstag um, bastelte ein Regal auseinander, damit der Käfig am und in Höhe des Fensters steht. In einer Ecke mögen sich Hamster wohl fühlen, aber keine Katzen.

Ab dem Zeitpunkt konnten Emmy und Maxi aus dem Fenster schauen, wenn sie sich auf die Transportbox legten, was sie auch taten. Montag war übrigens auch der Knackpunkttag, wo sie sich umsahen und sich nicht nur in ihrer Höhle versteckten. Eine Zeit von Samstag bis Montag = Zwei Tage bis zur Akklimatisierung.

Nun ist eine Woche vergangen und es wurde langweilig in dem Hasenstall. Bot er anfangs eine sichere Unterkunft, so hatten zwei Minitiger die vorhandenen Zentimeter schnell ergründet. Sie akzeptierten das kleine Reich, denn nur in der ersten Nacht gab es Ausbruchversuche. Ab Montag wurde nach dem Abendessen miteinander gespielt, der Wassernapf umgeworfen und nachts  Häufchen verteilt. Das dargebotene Spielzeug ist immer noch interessant, aber da muss es doch verdammt noch mal mehr im Leben geben!

Somit räumte ich heute das Badezimmer um und einen Kratzbaum hinein. Ein Garten fehlt mir, aber zumindest ist das Bad groß, für unreine Katzen tauglich und besitzt ein großes Dachfenster.

Den kompletten Hasenstall stellten wir hinein, installierten eine Kamera, machten alle Törchen des Stalles auf und verschlossen die Tür.

Es dauerte keine Minute.

Klar, Maxi machte den Anfang, ging aus dem geöffneten Törchen. Emmy machte es Maxi nach und nachdem das Bad inspiziert worden war, hörte man Gepolter. Also, die Minitiger tobten sich aus.

Ein Versuch der Annäherung misslang, selbst Maxi war im Freifieber, denn eine Tatsache, was „Wildkatzen“ anbelangt, lautet: Bist du an einem anderen Platz, dann bist du ein Feind.

Der Spruch ist von mir, niemand braucht zu googeln, aber er stimmt. Von daher ist eine Annäherung, was fremde, gut meinende Menschen anbelangt, sehr schwierig. Irgendwie muss man immer wieder von vorne anfangen, denn gleicher Mensch am falschen Platz löst Misstrauen aus. Was ist mit falschem Mensch an falschem Platz? Derjenige wird nie eine verwilderte Katze sehen.

Selbst meine Katzen und Kater von diversen Futterstellen handeln genauso. Kater Micky, den ich auf den Arm nehmen kann, humpelte stark. Ich wollte ihm helfen, ihn zum Tierarzt fahren. Aber da er durch sein Schlupfloch nicht durch kam, musste ich mit dem Auto um Zaun und Gelände fahren. Dort angekommen humpelte er fort, hinein in das sichere Dornengestrüpp: „Dich kenne ich nicht!“

Ich kroch ihm vorsichtig lockend nach, aber irgendwann war Ende für mich und Micky unerreichbar. Ich sagte, dass wir es morgen erneut versuchen werden, aber ab dem Tag war Micky zwei Wochen lang verschwunden. Jeden Millimeter untersuchte ich, wie ein bunter Hund rannte ich auf dem Speditionsgelände herum – kein Micky.

Bereits traurig fast abgeschrieben, stand er nach zwei Wochen vor mir. Immer noch humpelnd und zum Hungerhaken abgemagert. Ich weiß nicht, ob man solche Fälle mit „Heiland gesehen“ vergleichen kann, aber ich dachte wirklich an so etwas.

Micky bekam sein Futter, ließ sich knuddeln und dann – ab in die Transportbox und in Eiltempo zum Tierarzt.

Wir kamen zur Notfallzeit an, aber die Tierärztin drückte ein Auge zu und berechnete diese Zeit nicht. Das war ihr Beitrag zum Tierschutz. Micky wurde behandelt wie ein wilder Kater, mit Handschuhen und Vorsicht, aber all das war kaum nötig. Der alternde Micky genoss das regelrecht und als wir zurück fuhren, mit Antibiotika und Schmerzspritze intus, da fand er das recht interessant, stieg anschließend aus der Box, strich mir um die Beine und hatte Hunger. Verständlich, nach zwei Wochen Abstinenz.

Was eine Transportbox anbelangt, so kann ich für diese Fälle nur die „auch von oben zu öffnenden“ empfehlen. Eine misstrauische Katze mit Front in eine Höhle stecken klappt äußerst selten.

Bestandsaufnahme der letzten zwei Wochen: Ich wurde vor ein paar Tagen von einem Mitarbeiter einer Aluminium Recycling Firma (auch am Hafen) angesprochen, dass Babykatzen auf dem Hof gesichtet worden seien. Dort konnte die Mutterkatze von Frau N. nachts eingefangen werden, was aber nicht wirklich gut war, denn der behandelnde Arzt bat, dieses Tier sofort wieder heraus zu lassen, da es noch Kleine säugt.

Gesagt getan, kurz nach dem Aufwachen aus der Narkose,  und man stelle sich eine frisch operierte Katze vor, die in derzeitiger Kälte ihre Jungen versorgt. In einem gesichteten Erdloch, in Dreck und menschlicher Hektik, was diese Firma anbelangt…

Ansonsten sind es (nach „Aufräumung“ im April) erneute acht Katzen und drei Kater gewesen, die, bisher unbekannt, in den letzten zwei bis drei Wochen gefangen und kastriert werden konnten. Wenn man die beiden getigerten Zwerge, also Emmy und Maxi dazu rechnet, kommt eine Vermehrungszahl, bei jeweils nur zwei überlebenden Katzenkindern, von 32 Katzen in einem Jahr hinzu.

Futterstellen habe ich in diesem Hafengebiet nun sechs an der Zahl. Klar, diese Katzen haben bisher auch ohne Versorgung überlebt, aber wenn man diese mageren Knochen sieht und der Winter steht vor der Tür, dann kann und muss man etwas ändern.

So, ich bin ins Schwafeln geraten, hoffe es war nicht langweilig, aber das ist so, wenn man den Platz dazu hat und das Herz überquillt. Maxi und Emmy nehmen das Bad auseinander, anschließend verkrümeln sie sich in ihrer gewohnten Box. Gleich ist Raubtierfütterung angesagt.

4 Kommentare zu “Wochenbericht der Minitiger

  1. es ist total interessant und kein Geschwafel – und gehört auch irgendwie zusammen. Vielleicht kann den kleinen Grautiergern das Hafenkatzendasein erspart bleiben und durch Dein Engagement findet sich eine Endstelle für sie, bin schon gespannt auf die nächste Woche 😉

  2. Ich finde es auch interessant, so interessant, dass ich das gerne als Hafenartikel lesen würde. So bleibt das für Interessierte auch erhalten, wenn die beiden Zwerge schon längst vermittelt sind.
    Dazu hast Du ja so unheimlich viel zu sagen und zu erzählen, da könnte man auch eine ganze Reihe draus machen, richtig aufbauen und erweitern, wo das ganze Elend seinen Anfang genommen hat, wie damit umgegangen wird, was man machen könnte, etc.

  3. Ja, Christine, in diese Richtung dachte ich auch und soll irgendwann ja mal weiter gehen mit „Wie alles begann“.
    Das ist der Ursprung im Hafengebiet.

    Aber momentan komme ich zu nix. Zu viele Zwerge, die erst einmal wichtiger sind. 🙂

  4. Ich bin spät … aber ich bin da 😉
    Ich habe das „Geschwafel“ auch mit Interesse gelesen!
    Maxi und Emmy sind total hübsche Katzen finde ich und mir fiel sofort der „Kragen“ von Emmy auf 😉
    Das beide (Emmy vor allen Dingen) ihre Mama vermissen finde ich natürlich total traurig, aber ich denke, das sich das, wenn du noch mehr Vertrauen gewinnen kannst sicherlich legt.
    Bei dir sind sie in besten Händen!
    Liebe Grüße,
    Sylvia

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