Der schwarze Schatten – Lisbeths Tagebuch (1)

Lisbeth ist gestern Mittag heil in Mettmann angekommen und hat zuerst einmal die Kreisverwaltung besucht, wo sie im Liegenschaftsamt darauf gewartet hat, dass ich sie mit dem Auto abhole. Da Donnerstagabend erst wirklich klar wurde, dass Lisbeth als Pflegling zu mir zieht und schon Freitagmittag der Umzug stattfand, mussten wir dann gestern Nachmittag erst einmal zum Fressnapf und haben Kätzchen-Necessaires besorgt. Kurz entschlossen bin ich dann noch bei meiner Haustierärztin vorbei gefahren, die Lisbeth erst einmal in Augenschein genommen hat.

Ratet mal, wie Lisbeth reagiert hat? Jawoll, sie ist ausgebrochen und hat in der Praxis einige Runden gedreht und lustige Verstecke entdeckt, die laut Tierärztin noch kein anderer Pelzling gefunden hat. Die TÄtin ist so ruhig und vorbildlich geblieben, dass sie bald wieder eingefangen war und dann haben wir beschlossen direkt zu Impfen, Schutz ist eben Schutz. Lisbeth hat einigermaßen sparsam geguckt, weil sie zum Impfen in den gefährlich klingenden „Zwangskäfig“ kam. Der wurde schmal geschraubt und während sie sich quasi noch wunderte wo der Platz hin ist gabs dann auch schon die Spritze in den Popo.  Ansonsten wurde sie bewundert, für niedlich und augenscheinlich gesund befunden und auf Mai / Juni 2010 geschätzt.

Ich habe für Lisbeth ein neues Trockenfutter mitgenommen, Royal Canin Calm, das für Tiere in Stresssituationen konzipiert ist, alles auf natürlicher Basis. Das mische ich ihr nach und nach unter ihr Feuchtfutter. Lt. TÄtin besteht aber keine Gefahr, dass sie dadurch für „normales“, also günstigeres Futter „verdorben“ wird, das ist denke ich wichtig für Lisbeths Suche nach einem endgültigen Zuhause.

Zuhause angekommen kam Lischen in ihre Hundetransportbox, samt Box in der sie gerade untergebracht war, da ich sie daraus nicht hervorschütteln wollte. Außerdem hat sie in der großen Hundehütte einen kleinen Kratzbaum mit Liegefläche oben und Schlafhöhle unten, ihr Toilettchen, ihre Näpfe und als „Bewegungsmelder“ habe ich noch zwei kleine Spielbälle ausgelegt.

Lisbeths vorübergehendes Zuhause mit Dackel als Größenmaß

Den ganzen Abend lang hat Lisbeth in ihrer Transportbox verbracht. Ich habe zwei Mal mit der Taschenlampe vorsichtig hineingeleuchtet, um zu überprüfen, ob es ihr nach dem Stress des Tages einigermaßen gut geht. Beim zweiten Mal habe ich die Impfstelle sehen können, die offensichtlich geschleckt aussah. Brennt ja auch meistens, diese Impferei.

Kurz bevor wir schlafen gingen huschte sie dann unbemerkt in die Schlafhöhle hinüber und ich habe ihre Transportbox entfernt. Die Nacht war anstrengend, weil meine Hündin Gini (Dackel-Cocker) immer das Gegenteil von satt ist und neben der Neugierde, wer da jetzt in ihrem Häuschen wohnt auch noch den starken Drang verspürte, Serenaden auf das Katzenfutter im Häuschen von sich zu geben. Sprich, sie hat die ganze Nacht gemault.

Am Morgen dann (ein bisschen wie Weihnachten) Bestandsaufnahme, wie beim CSI rekonstruieren, was in der Nacht geschehen ist: Lisbeth hat den Katzenfutternapf geleert, geradezu gesäubert, ihr Katzenklo benutzt und: Ihre Spielbällchen muss sie auch durch die Gegend geschossen haben, denn sie lagen an ganz anderer Stelle, wo sie nicht nur durch vorsichtiges Rollen hingekommen sein können.

Dann als wir heute beim Frühstück saßen, huschte Lisbeth aus ihrem Häuschen und setzte sich einen kurzen Moment hinter ihren Kratzbaum. Gini rannte sofort hin und schnüffelte aufgeregt, aber Lisbeth hat sich nicht sofort, sondern nach einer Weile erst wieder in die Höhle zurückgezogen, wo sie dann einige Minuten damit beschäftigt war, sich die darin befindlichen Handtücher und Decken zurechtzuscharren.

Lisbeth nachdem sie es sich gemütlich gemacht hat

Lisbeth im neuen Heim die 2.

Jetzt ist erstmal kleine Katzenruhe, aber  schon der erste Tag hat gezeigt, dass Lisbeth ein wunderschönes und normales kleines Katzenmädchen ist, mit allem im Kopf, was kleine Katzenmädchen eben gerne machen. Und wie alle Mädchen kann sie auch Naschereien nicht widerstehen, wie das folgende Bild beweist.

Schleckermäulchen auf der Suche nach einem Minzdrop

Während  ich das schreibe schaut sie sich übrigens wieder vorsichtig in ihrem Heim um. Dabei möchte ich sie aber nicht fotografieren, um sie nicht zu verschrecken.

Das war der erste Teil von Lisbeths Tagebuch.

Ich möchte an dieser Stelle übrigens noch einmal Sabine ganz herzlich danken, für all die Mühe und das Herz und für die Erfahrungen, die ich mit Lisbeths Pflege machen darf.

 

 

 

6 Kommentare zu “Der schwarze Schatten – Lisbeths Tagebuch (1)

  1. Es ist so schön zu lesen 🙂
    Vielen Dank für den Bericht, Christine, ich finde, es hört sich (für die ersten paar Stunden bei dir) gar nicht so schlecht an!
    Ich drücke die Daumen, das es weiter bergauf geht mit LL und das sie Vertrauen zu dir fasst!
    Bin gespannt auf weitere Berichte!
    Liebe Grüße,
    Sylvia mit ihrer Rasselbande

    PS: Mettmann? Könnte ich euch ja glatt besuchen kommen 😉

  2. Klasse Christine! Liest sich eigentlich richtig gut – und wenn man sich an den Stand via Dachkammer erinnert…
    Und da Gini so an Futter interessiert ist, wird Kätzchen sich zwangsläufig an andere Tiere gewöhnen müssen – das wird bestimmt klappen mit ihrer „Entwilderung“. Die ist wirklich wunderhübsch, die Kleine.

  3. Danke, Christine!

    Einerseits konnte somit eine weitere Seele gerettet werden, andererseits kommen (nur) die momentanen Herbstwürfe hinzu, die eventuell niemand sieht und die sich selbst überlassen bleiben.
    In einer Umgebung wo wenig Verkehr ist, Unterschlüpfe vorhanden sind und genügend Lebendfutter herumläuft, ist das in Ordnung. Aber die Zivilisation macht meist einen Strich durch diese Rechnung, denn es wird abgerissen, verändert, gebuddelt und gebaut. So langsam fühle ich mich wie in einer Zwangsjacke, in der man mit dem Kopf vor eine Betonwand läuft.
    Am liebsten würde man alle freien Katzen aufnehmen und sie entsprechend anderweitig unterbringen. Aber das funktioniert nur äusserst selten, somit ist Lisbeth-Lieschen ein großartiges Beispiel von wenigen, wie es im allerbesten Fall ausgehen kann. Guckt man in ihr Gesicht: Unterschied wie Tag und Nacht zu Foto von letzter Woche.
    Das wird eine selbstbewusste, die darfste nicht zu sehr verwöhnen. 🙂

  4. Pingback: Erster Zwerg fand sein Zuhause! « Katzen-Heimat-Blog

  5. Pingback: Die drei Fauchis « Katzen-Heimat-Blog

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s