Tagebuch der zwei Minitiger

Da sich ein oder zwei gute Plätze für die beiden Minitiger finden soll/muss, dachte ich, dass ein Tagebuch angebracht ist, weil ich selber noch nicht weiß, wie sich der Stand der Dinge entwickeln wird.

Tagebücher gibt es zuhauf, auf Facebook und auf Homepages, wo erzählt wird, wann, wo und wer sich mit wem getroffen hat. Ich denke, dass zwei wilde Minitiger auch einiges zu erzählen haben, was bisher eventuell noch nicht bekannt ist.

Nun denn, somit lege ich mal los, muss vorab allerdings eine Art Vorwort loswerden, das die Situation erklärt:

In (nur) einem Hafengebiet, in einer Nordrheinwestfälischen Stadt, leben unzählige wilde  Katzen, deren Vorfahren vor ungefähr dreißig  Jahren von  Öl,  Mehl oder Tierfutter produzierenden Firmen angeschafft wurden, zum Kampf gegen Ratten.

Dreißig Jahre, und nie wurde auch nur eine dieser Firmenkatzen sterilisiert, niemand dachte darüber nach, dass sich Katzen und Kater zweimal pro Jahr vermehren und  dass das Ausmaß irgendwann nicht mehr abzuschätzen ist. Meldete  sich ein Mitarbeiter, der nachdachte und Vorschläge hinsichtlich der zu vermindernden Population unterbreitete, hieß es, dass er ein Problem habe und selber kastriert werden müsse.

Irgendwann gab es diese Röhren zu kaufen, die sich praktisch, unauffällig und einfach an jede Hauswand legen lassen und mit Rattengift bestückt werden können. Irgendwann gab es komplette Abschottung und Vergasung „im Hause“. Neue Lebensmittelbestimmungen untersagten den Aufenthalt von Tieren.

Die Augen wurden verschlossen, es wurde weder nach links noch nach rechts geschaut, denn Arbeitsverträge beinhalteten oft eine  Klausel, dass Katzen nicht versorgt werden dürfen! Die Tiere waren immer noch anwesend, denn dreißig Jahre mal zweimaliger Vermehrung im Jahr, mit jeweils wenigstens vier Nachkommen….

Sterben sie nicht eines unnatürlichen Todes, aufgrund brausender LKW oder aufgrund Krankheiten, die niemand beachtet, schon gar nicht behandelt, dann leben sie weiter, mehr schlecht als recht, denn wo Ratten und Mäuse chemisch bekämpft werden, gibt es keine Nahrung für Katzen.

Versorgung durch Tierschützer verkommt oft zu einer Nacht und Nebel Aktion, man kann froh sein, wenn Futterstellen – wo man begutachten kann, ob unerwünschter Nachwuchs oder kranke Tiere anwesend sind – nicht entsorgt wurden!

Ich stelle keine unwissenden Thesen in den Raum, denn das sind gesammelte  Informationen und eigene Erlebnisse, wobei mir die Informationen nach und nach die Augen öffneten. Hinzu kommen eventuell  ausgesetzte und unkastrierte  Katzen oder Kater, die in einem Hafengebiet eine spannende Umgebung vorfinden. Dank der alten Gebäude gibt es immer wieder einen Unterschlupf.  Nur ein Ende, ist nicht abzusehen.

Am 16.Oktober 2010 kamen sie zu uns, die beiden Minitiger. Nachdem ich nach einem Käfig suchte, bot mir eine Bekannte einen großen Hasenstall an, den sie auf den Sperrmüll werfen wollte. Ich nahm ihn mit, packte ihn in den Keller, erst einmal überlegend. Für die drei Zwerge vom Dachzimmer musste sich etwas ändern – aber was?

Sie sind alle drei sehr scheu, von wild will ich nicht sprechen, da sie gerade erst  geschätzte drei Monate alt sind. Sie kennen keine Menschen, nur ihre Mutter und Freiheit.

Die Freiheit… so passend, wie sie für Katzen auch sein mag, hier ist der Fall etwas komplizierter. Im Alter von drei Monaten kann keine Katze sterilisiert werden, da ihre Eierstöcke noch gar nicht so weit entwickelt sind. Wird in diesem Alter oder etwas später operiert, kann das zu allgemeiner, fehlerhafter Weiterentwicklung führen. An selbiger Stelle heraus lassen, entwickeln und aufwachsen lassen, ist auch kein guter Gedanke, da die meisten Katzen niemals zweimal in eine Falle tappen und weiterhin unnahbar bleiben. Somit würde der Zahn der Zeit seine Arbeit leisten und diese drei würden erwachsen, einen Kater finden, würden trächtig, zweimal jährlich vier Junge werfen usw. usw.

So, also die drei Kleinen vom Dachzimmer wurden heute einer Tierärztin vorgestellt. Ich rief gestern an, meldete drei „wilde“ an und bekam gleich einen separaten Termin. Das war toll… muss mal überlegen, ob nicht all meine Tiere plötzlich wild geworden sind.

9.45 Uhr bedeutete (samstags) frühzeitiges Aufstehen, da nicht abzuschätzen war, wie lang oder kurz der Einfang dauern würde. Es ist immer wieder schlimm mit anzusehen, wie die Tiere im Zimmer herum flitzen, vor lauter Panik. Da heißt es viel Ruhe bewahren, sich langsam bewegen, wenig und leise sprechen und nicht noch mehr Hektik verbreiten. Die beiden kleinen getigerten gingen recht schnell in die Transportboxen, da sich ihr auserwähltes Versteck hinter Bilderrahmen befand. Offene Box auf die eine Seite, vorsichtig gedrückt von der anderen und schwups waren sie drin. OK, das erst, nachdem sie im Zimmer einen Marathon absolvierten.

Bei der schwarzweißen genauso, bei ihr kam allerdings wütendes Fauchen hinzu.

Die Tierärztin stellte bei der kleineren getigerten, und sich ruhiger benehmenden, starken Wurmbefall fest. Bei der anderen nicht so extrem, und die schwarzweiße ist eh eine starke Miez und bereits einen Monat älter.

Somit Ergebnis: Alles Mädels, drei und vier Monate jung, mit Milchzähnen bewaffnet und von Ungeziefer befreit. Trotz frei geboren, sind  alle drei gesund und die jeweiligen Herzchen klopfen sprichwörtlich wild.

Die Stubenreine schwarzweiße, vier Monate jung, von der ich hinter Gitter endlich ein Foto von vorne knipsen konnte, musste wieder zurück ins Dachzimmer, da bisher kein anderweitiger Platz für sie gefunden werden konnte.

Eins nach dem anderen, so traurig es auch ist.

Die beiden getigerten sind, wie gesagt, nun bei mir und ich muss schauen, was nun wird. Ihren  Durchfall, der aufgrund der Behandlung bald nachlassen wird, kann ich nun innerhalb des Käfigs beseitigen und muss nicht während der Pause dünne, überall verteilte Häufchen aus einem  Zimmer entfernen. Am allerliebsten legten sie ihre Häufchen neben die Tür, so dass sie einer Art Wasserbombe glichen, sobald man das Zimmer betrat. Ich denke, das war Absicht. 🙂

Nachdem diese Aktion erledigt war, mussten die schwarze und die getigerte, kastrierten und ausgeheilten Katzen, die sich vorübergehend ebenfalls im Dachzimmer aufhielten,  in ihre Heimat entlassen werden.

Keine Chance sie anderweitig unterzubringen. Wirklich wild, Angst, Angst, Angst und bereits ungefähr ein Jahr alt. Sie versteckten sich hauptsächlich auf dem Schrank, wo es galt die Koffer und Tüten beiseite zu räumen.

(Hier sieht man links in die Ecke gedrückt, einen schwarzen Popo…)

Kurz nach  Einfang dieser beiden folgte ein eventueller Bruder an  selbiger Stelle, der ebenfalls schwarz ist, ungefähr ein Jahr alt,  und in ein bis zwei Tagen in seine Heimat entlassen werden kann. Er verbringt seinen Heilungsprozess in einer großen Hundeflugbox, aber auch er möchte nichts anderes, als seine harte Freiheit.

Die vorsichtige Jagd begann.

Die getigerte ließ sich nach einigen gefährlichen Sprüngen vom Schrank auf den Boden, hinüber zum Fenster und wieder zurück, überreden, in die offen gehaltene Box zu steigen. Die schwarze tat das gleiche, nur extremer. Sie wirbelte das halbe Zimmer durcheinander, sprang vom Schrank in jede mögliche Ecke, natürlich immer schneller, als Mensch reagieren kann. Ich bewundere diese federnden Fähigkeiten, trotzdem musste man sehen, dass man logischer dachte. Es dauerte, aber auch sie stieg nach einer Weile oben auf dem Schrank in die offen stehende Transportbox.

Wir fuhren sie zum Hafen, in ihre Heimat, sprachen mit dem Firmeninhaber einer nahe gelegenen KFZ Werkstatt und trafen auf einen, was Katzen anbelangt, entspannten Mann. Er hatte die Katzen zwar nicht vermisst, sie würden bei ihm auch nicht gefüttert, aber hin und wieder würde er sie in der Halle auf dem Stapel Kartons sehen. Seitdem sie da wären, hätte die Firma keine Rattenprobleme mehr, also könnten sie bleiben.

Wir zeigten dem guten Mann die beiden Katzen und er meinte, sie wieder zu erkennen. Ich durfte sie an dem Stapel Kartons frei lassen, was ich tat und wo ich jedes Mal Bauchschmerzen verspüre, weil es wehtut, vor allem, wenn man an Winter und Eiseskälte denkt. Da gibt es nichts, von wegen gemütlich auf einer Heizung liegen und Futter in Zimmertemperatur kredenzt bekommen. Meist wird  das Futter in dieser Zeit in Minutenschnelle zu einem Eisklumpen, oder im Sommer von Fliegen überfallen!

Kaum war das Gitter geöffnet, gab es zwei Sekunden Bedenkzeit, aber man merkte vorher schon, als man die Boxen aus dem Auto holte, dass Tiger und Schwarz wussten, wo sie sind. Sie gehören in die Freiheit, denn so schnell konnte man kaum gucken, wie fix sie in der Dunkelheit verschwunden waren.

Der schwarze Kater wird genau so handeln. Ich wünsche den Dreien alles Glück, das sie benötigen um gesund überleben zu können.

Ein gutes Zeichen ist die überraschende  Loyalität des Firmeninhabers. Ich werde mich näher mit ihm befassen, er wird mich nicht mehr los. Ich werde versuchen eine Futterstelle einrichten zu können, die innerhalb des Firmengeländes trocken und sicher stehen können wird.

Soeben ging an einer anderen Stelle im Hafen eine schwarzweiße Katze oder Kater in die Falle. Wird zum Tierarzt gebracht und untersucht. Kastrationen zahlen wir mittlerweile aus eigener Tasche…

Die Tierhilfe Rhein -Main möchte  ich hier dankend erwähnen, da sie mir Gutscheine in Höhe von 300 Euro bis zum Ende 2010 zur Verfügung stellte.

Danke, liebe Gilla, für dieses Vertrauen und diesen Geldregen im Sinne der Tiere, die Grenzen nicht kennen! Leider ist schon alles verbraucht und wir müssen abrechnen.

6 Kommentare zu “Tagebuch der zwei Minitiger

  1. Lese aufmerksam dein Tagebuch 😉

    Aber folgenden Satz habe ich nicht verstanden:
    „Die Stubenreine schwarzweiße, von der ich hinter Gitter endlich ein Foto von vorne knipsen konnte, musste wieder zurück ins Dachzimmer.“

    Warum musste sie wieder ins Dachzimmer?

    Liebe Grüße,
    Sylvia

  2. Das freut mich sehr, Sylvia!

    Werde es aber ändern müssen in Wochenendbericht, weil, irgendwie hat der Wochentag zu wenig Stunden – kennste, nicht wahr? 😉

    Für die schwarzweiße (schwarzer Schatten) fehlt uns ein Platz, sei es PS oder festes Zuhause, somit bleibt nur die Dachkammer.
    Sie lässt sich nicht anfassen, faucht wie eine große und verschwindet sogleich in irgendeiner Ecke, eben wild. Ich fand bisher niemanden, der sich das antun mag, zumal man sie in einer Wohnung eventuell nicht mehr findet.

    Nach Überlegungen nahm ich die beiden getigerten, weil das zum Einen Geschwister sind, zum Anderen kommt bei ihnen (zu den eben erwähnten Problemchen) die Unsauberkeit hinzu. Sie müssen somit noch ein Ding dazu lernen.

    Ich hoffe inständig, dass ich sie hinbiegen kann und dass sie ein Zuhause finden. Danach könnte ich mich um die schwarzweiße kümmern.
    Ansonsten bleibt nur, warten bis zum Alter der Sterilisation und dann an Herkunftsstelle wieder aussetzen, obwohl es einem das Herz brechen würde.

    Jemand mit Zeit und Geduld müsste her, der sich oft mit solch einem Tier beschäftigen kann. Wie es momentan für die drei abläuft ist (auf gut Deutsch gesagt) Scheiße. Aber naja, dafür bekommen sie real nature für kitten… haben es warm… werden nicht naß.

  3. Ja, und wie ich das kenne 😉

    Aber jetzt habe ich verstanden. Schade um die kleine Schwarze, meiner Meinung sollte sie zu bereits vorhandenen (zahmen) Katzen, die schauen sich so viel ab.

    Um die zwei kleinen Getigerten bei dir mache ich mir keine Sorgen, denen geht es gut, da bin ich mir sicher.

    Aber die Schwarze tut mir schon leid 😦 Aber bei mir geht gar nichts im Moment, weder Zeit- noch Raummäßig.

    Aber ich denke schon wieder weiter für solche Situationen 😉
    Ich suche ja im Moment ein freistehendes Häuschen für meine Rasselbande und mich und häufig gibt es kleine Anbauten oder kleine Einliegerwohnungen dabei. Freunde fragen mich dann immer, was ich damit will. Mir fällt da eine Menge ein, dir auch? 😉

    Liebe Grüße,
    Sylvia

  4. Oh ja, unendlich viel!!

    Wir sind auch auf der Suche, denn ich brauche dringend einen Garten – einen großen, am besten einen ganz, ganz großen Garten, fern ab von Hauptstraßen und Autobahnen. Leider nicht einfach zu finden in NRW und trotzdem hatten wir Glück…

    Wir sahen uns vor ein paar Monaten ein altes Haus an, das mitten in einem verwilderten Park steht. Dieses Haus gehört zu einer momentan unbewohnten Villa, und der Mieter des Hauses (ehemals Haus der Bediensteten) darf einen kleinen Teil des Parks (10.000 qm) als Garten nutzen.
    Ich war sofort Feuer und Flamme, inspizierte den ringsum zwei Meter hohen Zaun und plante bereits ein Gartenhaus in den eigenen Gartenanteil zu stellen, in dem man z.B wilde Katzen erst einmal an die Umgebung gewöhnen könnte.

    Tja, was soll ich sagen. Meinem Lebensgefährten waren die Räume des Hauses zu dunkel…
    Mit anderen Worten: Ich wäre sämtliche Probleme längst los, wenn nicht die Räume und der… Lebensdingsa. 🙂

    Ja, wie gesagt, um die schwarzweiße kümmere ich mich und frage, schreibe, telefoniere und frage. In diesem Jahr sieht es überhaupt mies aus, was Katzenvermittlungen anbelangt. Selbst die liebsten Schmusetiger warten und warten. Zum Heulen, das alles.

    Ich drücke Euch die Daumen, beim Finden! Wenn, dann sagste Bescheid, ja? 😉

  5. Pingback: Hurra, schwarzer Schatten hat eine Pflegestelle gefunden!! « Katzen-Heimat-Blog

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s