wenn Tierliebe aus dem Ruder läuft…

Immer öfter erfahren Tierschützer von Tiermessies, die gröbsten Fälle schaffen es dann auch in die Medien. Es sind schlimme Zustände für Menschen und Tiere, denn das Horten von Tieren ist eine psychische Erkrankung, die durch ungenügenden Haltungsbedingungen zur Tierquälerei führt. Wegsehen und „machen lassen“ macht jeden, der davon etwas mitbekommt zum Mittäter, bringt den betroffenen psychisch Kranken noch mehr in die Isolation und sanktioniert die stattfindende Tierquälerei.

Die Gründe, die zur Tierhortung führten, sind unterschiedlich, der Deutsche Tierschutzbund gliedert in vier Typen:

Der Retter und Befreier

Er ist nicht unbedingt sozial isoliert, sondern sammelt aktiv und ist sich der wachsenden Anzahl bewusst. Allerdings tut er nichts dagegen, da er denkt, dass die Tiere es nur bei ihm gut haben. Er kann kein Tier ablehnen und – resultierend aus seiner eigenen Todesangst – auch kein Tier einschläfern lassen. Er meidet Autoritäten und ignoriert jegliche Anweisungen seitens der Behörden.

Der übertreibende Pfleger

Er ist introvertiert und sozial isoliert und will sich wirklich um die Tiere kümmern, da diese für ihn einen höheren Stellenwert als Menschen haben. Allerdings kann er entstehende Probleme nicht lösen, alles wächst ihm über den Kopf. Die Tiere vermehren sich ohne sein aktives Eingreifen. Obwohl ihm die Probleme bekannt sind, spielt er sie anderen gegenüber herunter.

Der Züchter

Er schafft sich Tiere an, um sie zu züchten, auszustellen und zu verkaufen. Allerdings verkauft er nur wenige oder gar keine Tiere, diese vermehren sich und er verliert den Überblick über seinen Bestand.

Der Ausbeuter

Er ist selbstbewusst, rhetorisch begabt, narzisstisch und ein guter Schauspieler, weshalb er die Behörden gekonnt in die Irre führen kann. Er schafft sich Tiere aus egoistischen Gründen an, hat aber Schuldgefühle oder Mitgefühl ihnen gegenüber.

Mit statistischem Blick auf das Problem Animal Hoarding gesehen:

– 76 Prozent der Betroffenen sind Frauen

– 46 Prozent sind über 60 Jahre alt

– über  50 Prozent der Betroffenen leben allein

– gut 60 Prozent haben kein Problembewußtsein

– die am häufigst betroffene Tierart sind Hunde , gefolgt von Katzen

– im Durschnitt kommen auf jeden Tiermessie 39 Tiere

-in 69 Prozent der Fälle ist der Boden der Wohnung mit Exkrementen bedeckt;
bei einem Viertel der Fälle sogar das Bett des Hoarders

-in 80 Prozent der Fälle gibt es kranke und tote Tiere

(Quelle: Patronek G., Hoarding of animals: an underrecognized public health problem. Public Health Report 114:81-87,1999).

11 Kommentare zu “wenn Tierliebe aus dem Ruder läuft…

  1. Gestern noch hörte ich, dass in einem Ort in Bayern 130 Katzen aus einem Haushalt/Haus beschlagnahmt wurden.
    Also, beschlagnahmt wohl erst einmal nicht, denn wohin mit solch einer Menge?
    Das Veterinäramt bat wohl Tierschutzvereine, zumindest zu versuchen, die Tiere Deutschlandweit unterzubringen. Viele der Katzen sind hochtragend, denn es ist Oktober…
    In den dortigen Tierheimen hätten Katzen so gut wie keine Chance, da es in ländlichen Gebieten an jeder Ecke Katzen gibt.
    Trostlose Aussichten, wenn eh schon klar ist, dass im Tierheim aufgenommene Katzen ihr Leben lang bleiben werden.

    In Punkto Katzen könnte ich nur noch Kotzen, um es mal klar und deutlich zu sagen. Nicht wegen der Tiere, aber wegen der zivilisierten Verdummung der Menschheit, die selbst in Städten ihren Tieren (netterweise) Freigang bieten oder sie (dämlich und brutal) rausschmeißen und nicht kastrieren lassen!
    Es wird nicht besser, im Gegenteil immer schlimmer und es kann nicht alles auf eine Wirtschaftskrise geschoben werden! Viele Tierschutzvereine helfen finanziell, man muss sich nur trauen, den Mumm besitzen und FRAGEN, ebenso wie bei einer „Tafel“!
    Im „ach so Tierliebendem Deutschland“ rennen Tausende von, irgendwann verwilderten, Katzen herum! Hinzu kommen dann solche „Räumungen“ und die Tierheime quellen über!

  2. Das ist wirklich ein Thema zum kotzen, wohin mit all den Katzen…
    Ein Tierheim kann auch nicht Jahr für Jahr neue Katzen dazunehmen, meine Katzen sind beide nicht eines „natürlichen“ Todes gestorben und wurden (leider nur) 17 und 16 Jahre alt – die hatten das Zeug, 23 Jahre alt zu werden …
    Der Kastrationszwang für freilaufende Katzen ist wirklich angezeigt.
    In DDR-Zeiten wollte man mal eine kostenlose Kastration für Kater einführen (reicht ja auch schon, nur Kater zu kastrieren)

  3. Hallo Sabine und Frau Schnüffel.
    Dieser Bericht und die Videos sind der Wahnsinn! Das erste mit den Vögeln kannte ich ja, aber das zweite mit den Katzen war mir neu!
    Das es sowas giebt ist mir klar-aber das sowas in Deutschland passieren kann, ist unbegreiflich! Da muß es doch Hinweise gegeben haben, das kann doch nicht sein das da kein Nachbar was mit bekommen hat! Typisch für Ämter, die schreiten erst ein wenn schon alles zu spät ist! Diese armen Tiere, aber auch die Frau tut mir leid das die Ämter sie sich selbst überlassen haben!
    Dieses Leid für Mensch und Tier hätte schon Jahre früher gestoppt werden können, wenn Ämter mal da einschreiten würden wo sie gebraucht werden!
    Gruß Heike.

  4. Den Bericht über den „Wellensittichhalter“ kannte ich auch schon, aber der zweite Bericht über die Katzen hat mich jetzt echt geschockt. Es ist so traurig 😥 und es macht mich tierisch wütend wenn ich sowas sehe!

    Bei mir leben immerhin auch 8 Katzen, für einen Privathaushalt zugegebenermassen schon recht viel 😉
    Aber ich würde alles für meine Tiere tun und wenn sie krank sind komme ich manchmal echt auf dem Zahnfleisch daher, aber ich habe immerhin eine große Verantwortung übernommen.

    Ich werde solche Menschen nie verstehen …

    Traurige Grüße,
    Sylvia

  5. Sylvia, die sind mental auch nicht mehr in den Bereichen, wo man etwas Verstehen (in Form von nachempfinden) kann. Diese Menschen sind krank, wenn man so will, ist der Verwahrlosungsgrad der Tiere ein Indikator, wie lange diese Kranken sich selbst überlassen waren.
    Ist ja leider so bei psychisch Kranken, dass sie auch nicht sehr zugänglich sind. Und wer reißt sich dann schon um Kontakt mit ihnen…
    Nur, es scheint, dass solche Fälle zunehmen. Tiere horten, dann an der Versorgung scheitern…
    Vor einem Jahr gabs im Brandenburgischem, in Prenzlau, so einen Fall mit mehr als 200 Hunden und noch anderem Getier und der ging sogar unbefriedigend aus.
    Ich werd mal suchen, vielleicht finde ich noch einen Artikel darüber.
    Mit Logik kann man das nicht fassen, was da abgeht bei den Leuten. Ist irgendwie für beide Seiten traurig.
    8 Katzen, und dann sind da ja noch Fische und so bei Dir. Aber Du packst das gut, stehst ja im Leben , bloggst wie eine Weltmeisterin über Deine und andere Fellchen, um Dich muss man sich keine Sorgen machen. Für Heike gilt ähnliches, die hat auch mehr Tiere als der Durchschnitt und hilft dazu noch wo sie kann.
    Gibt eben (Power) Menschen, die ganze Schulklassen versorgen und gibt Menschen, die sich nicht mal selbst versorgen können.

    • Da bin ich aber froh, daß du dir um mich keine Sorgen machst … ich tue es manchmal :mrgreen:
      Spaß beiseite!
      Viele finden das toll was ich mache und haben keine Vorstellung davon was es bedeutet, wenn man es versucht richtig zu machen.
      Spätestens wenn die Leute hören, daß ich morgens zwischen 4.00 und 4.30 Uhr aufstehe, aber erst gegen 6.00 Uhr das Haus verlasse, weil ich in der Zwischenzeit die Rasselbande versorge, finden sie es nicht mehr so toll 😉

      Außerdem ist man natürlich total gebunden. Ich habe chronisch kranke Tiere dabei, die zweimal täglich (möglichst regelmäßig) Medikamente benötigen. Beruflich manchmal echt ein Hürdenlauf und auch privat schränkt man sich total ein. Ich mache das gerne und aus Überzeugung, bin aber auch davon überzeugt, das die meisten Menschen das nicht möchten.

      Viele machen sich leider vor der Anschaffung keinerlei Gedanken über evtl. „Nachteile“ einer Tierhaltung. Das kommt meistens erst, wenn das Tier schon da ist und sie feststellen, das sie sich das so nicht vorgestellt haben.

      Aber wem erzähl ich das? 😉

      Liebe Grüße,
      Sylvia

      • Ja, das finde ich sehr wichtig, auch die Arbeit zu betonen, die man wegen der Tiere hat. Gibt leider so viele Leute, die sich vorstellen, das sind belebte Steif-Tiere und sowas niedliches sollte man sich doch mal anschaffen.
        Aber in Filmen mit Hunden oder anderen Tieren zeigt ja auch keiner, dass da tägliche Arbeit dran hängt, man kann sagen, die doppelte Arbeit im Haushalt, wenn es mehrere Tiere sind. Das kommt alles so rüber wie: Spielen mit der Barbi-Puppe.
        Mal kämmen, wenn man Lust hat, mal füttern, wenn einem danach ist und der Hund fängt jeden Taschendieb, verhindert, dass man ermordet wird und sucht den passenden Lebenspartner für einen aus.
        Und in Wirklichkeit? Katzenklos machen, Staubsaugen ohne Ende ,Katzenstreu schleppen, das Biest will sich nicht kämmen lassen, das andere hat den großen Blumentopf mit der feuchten Erde runtergeworfen…
        ist nicht immer so lustig, wie man meint.
        Aber ich hätte es nicht missen wollen.

  6. @Frau Schnüffel:
    Ja, genau!
    Ich kann nur von mir erzählen und ich brauche morgens eine dicke Stunde und abends bis zu vier Stunden um die Tiere zu versorgen und die Wohnung auf Vordermann zu bringen 😉
    Das sollte man vielleicht allen, die sich überlegen, Tiere anzuschaffen, erstmal vorrechnen.
    Denn da ist nicht mehr viel mit Zeit für einen selber.
    Wenn man dann nicht die richtige Einstellung dazu hat kommt man schnell auf dem Zahnfleisch daher und will nicht mehr!

  7. Im Prinzip passt auch der Fall der runtergewirtschafteten Immobilie der TV-Moderatorin Sonja Zietlow in diesen Themenkreis.
    Man konnte in den Medien Berichte lesen, aber ich finde ihre eigene Homepage dazu aussagekräftiger (dabei mag ich deren Sendungen überhaupt nicht). Sonja Zietlow scheint hier einer Tiermessie vom Typ „Der Ausbeuter“ auf den Leim gegangen zu sein.
    Grundsätzlich tut es mir leid, dass sie solche Erfahrung machen musste, aber noch viel mehr tut es mir um die Möglichkeiten leid, die ein regulärer, erfahrener Tierschutz-Verein mit ihr als relativ aktuellen (Semi-)Promi an der Seite gehabt hätte in Sachen Medienwirksamkeit (und Hilfe beim Finanzieren von wichtigen Projekten), auch wenn sich manchmal die Zusammenarbeit mit Vereinen schwieriger gestaltet.

    http://www.sonjazietlow.com/
    und da unter news

    Verlorener Glaube!
    Der Zarenhof!

  8. Pingback: Leben mit der Rasselbande [morgens] |

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