Evangelische Kirche will Leiden und Tod von Tauben unterstützen

Veröffentlicht am 26. Aug 2010

Zum Weltfriedenstag am 29.08.2010 wollen deutsche und europäische Taubenzüchter in Zusammenarbeit mit der evangelischen Kirche in Berlin 65.000 »Brieftauben« fliegen lassen.

Was auf Anhieb nach einem schönen Bild klingen mag, ist Tierquälerei: Die Tauben werden von Berlin aus ihren Heimflug antreten, doch zwischen 10% und 30% der Tiere werden im wahrsten Sinne des Wortes auf der Strecke bleiben und an Erschöpfung sterben oder in Städten landen, wo sie die Taubenpopulation erhöhen. Um die Tauben anzutreiben, sich auf den oft hunderte Kilometer langen Weg nach Hause zu begeben, trennen Taubenzüchter die monogamen Tiere von ihren Partnern oder von ihrer Brut. Auch bei der eigentlichen Zucht wird nicht zimperlich mit den Tieren umgegangen: Tauben, die die Zuchtziele nicht erfüllen, müssen mit ihrem Leben bezahlen. Meistens wird ihnen der Kopf umgedreht.

Die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt hat den verantwortlichen evangelischen Kirchenkreis Berlin Stadtmitte bereits zu einer Stellungnahme aufgefordert. Hier finden Sie eine Protestmöglichkeit. Über den weiteren Verlauf werden wir Sie an dieser Stelle informieren.

8 Kommentare zu “Evangelische Kirche will Leiden und Tod von Tauben unterstützen

  1. tja, Brieftauben…
    Eigentlich fliegen Tauben nicht mehr, mit denen gezüchtet wird. Die sind dann richtig wertvoll, weil man nur mit den Erfolgreichen weitermacht. Von daher bin ich bei der Aussage mit der verlassenen Brut skeptisch. Aber naja, kann ja sein, jetzt wo alles auf Hochleistung abzielt, 700 km an einem Tag… Gab auch berühmte Springreiter, die ihre wertvollen Pferde brutal behandelten. Wenn Tiere zu Sportgeräten werden,an dem sich das Ego des Eigentümers abstrampelt, ist jede Perversität möglich.
    Normalerweise wurden die Tauben , mit denen nicht weitergezüchtet wurde, und die nicht so die geflogen sind, wie der Besitzer es erwartete, gegessen.
    Soll lecker sein, aber ich konnte und kann das nicht essen und bei all dem Spezialfutter, das die bekommen, sowieso nicht.
    Das Kopfumdrehen ist die schonendste Art Tauben zu töten und keine Quälerei, allerdings wird, um die Taube zu essen dann der Kopf abgedreht,weil sie sonst nicht ausbluten soll. Da ist sie aber schon tot, der Genickbruch reicht dafür, das Ganze ist nun eine Frage der Empfindlichkeit des Beobachters. Hier gegen zu argumentieren könnte ich nur als Vegetarier, aber da wäre mir eine Taube nicht wichtiger als ein Schwein oder ein Rind oder ein Strauß, wo das töten schwieriger ist und mehr schief gehen kann.
    Doch in meinen Augen wichtige Argumente gegen solche Aktionen sind die Erhöhung der Taubenpopulation in den großen Städten und der Stress, den die Tiere haben, weil sie aus ihrem Verband herausgerissen sind.

    Die Taube ist ein starkes kirchliches Symbol, von daher verstehe ich den Wunsch, sie fliegen zu sehen. Ist auch schön – jedenfalls für Taubenfreunde – einen Schwarm Tauben aufsteigen zu sehen. Ich meine, solche Aktionen müssen ja nicht so überdimensional gemacht werden, wenn Taubenzüchter aus Berlin und Brandenburg ihre Tiere dafür zur Verfügung stellen, ist das Symbol ebenfalls bedient, wenn auch nicht in solcher Menge. Stress und Gefahr für die Vögel wäre auf ein erträgliches Maß minimiert und ihr Heimflug mit größter Wahrscheinlichkeit erfolgreich .

  2. Ich sehe hierbei gar nicht mal die Kirche in der Pflicht, eher die Taubenzüchter und Halter.
    Wenn Tauben erschöpft im Straßengraben sitzen oder von Greifvögeln halbwegs erwischt wurden und danach irgendwo krepieren, so sind es meist beringte Tiere. Sie sitzen an der Nordsee auf einem Damm oder mitten in der Stadt auf einem Balkon. Oft hilft ein kurzer Aufenthalt in Ruhe, wo sie mit Futter und Wasser versorgt werden, bei den meisten kommt jedoch jede Hilfe zu spät.
    Auch hier sollte man sich Gedanken darüber machen, inwieweit Zucht sinnvoll ist.

  3. Gestrandete Brieftauben sollte man keineswegs nur füttern. Sie sollten unbedingt mitgenommen, aufgepäppelt und neu verpaart werden, denn: alle Brieftauben die zuspät heimkommen, werden getötet, weil sie für den Züchter nichts mehr wert sind, weil zu langsam/ zu schwach.
    Die Neuverpaarung hilft, das Risiko zu senken, sich weiter Richtung Heimatschlag zu bewegen, wo der Tod/Züchter auf sie wartet.

  4. Der Gedankenansatz, die Kirche da mit ins Boot zu setzen, weil da mit ihr ein Projekt angestoßen wird, das für viele Menschen, die sich damit beschäftigen, grenzwertig zur Tierquälerei ist – ist wohl konsequent um Aufmerksamkeit zu schaffen.
    Mein Onkel ist, nee, war Brieftaubenzüchter. Hatte nun damit aufgehört, weil sich irgendwie auch sein Fokus immer mehr veränderte, weg von der Freude am Schwarm hin zur Gier nach Erfolg, der ihn dann doch nicht glücklich machte. Und eigentlich suchte er doch im Taubenschlag die Zufriedenheit der Kindheit ….
    Das Problem ist nicht, dass Tauben gezüchtet werden, das Problem ist, dass Taubenfliegen als Sport betrieben wird. Mit all den Auswüchsen, die der menschliche Ehrgeiz entwickelt, wenn es um Höchstleistungen geht.
    Leidtragend sind hier die Tiere, leidtragend sind aber auch die Städte, in denen sich die verflogenen Tauben dann niederlassen müssen.
    Schon deshalb wäre eine spürbare gesetzliche Pflichtabgabe für jede bei einem Wettkampf gestartete Taube , eine Bundes-Startgebühr sozusagen, angebracht und sinnvoll. Diese Gebühr sollte dann zweckgebundene Verwendung für 1. städtische Taubenschläge und der evtl. Überschuss für andere Tierschutzprojekte finden und nicht wie die Hundesteuer im Nirgendwo des kommunalen Haushaltes versickern.

  5. Hallo Susan,

    ja, das mit dem Mitnehmen ist sicher der richtige Weg. Oft nur probematisch, denn auch hier: Wohin? Mir persönlich würde lediglich der nächste Taubenzüchter einfallen, der sich bereit erklärt eine ihm fremde aufzunehmen. Also dumm gedacht von mir.

    Es gibt Meldestellen, wo die Nummer der Ringe angeben werden kann; muss aus eigener Erfahrung jedoch sagen, dass nie eine Antwort kam, wenn ich z.B. eine tote gemeldet hatte. Somit scheint das Interesse der Züchter tatsächlich ein geringes zu sein. Tot ist tot und wird abgehakt.

    Kann mich an eine beringte Taube erinnern, die völlig fertig auf einem Damm in Holland hockte. Ich konnte sie nehmen und in unser Wohnmobil packen, wo sie auf einem Schrank sitzen blieb. Dort konnte ich ihr nur Schwarzbrot bieten, aber ihr war alles recht. Nach zwei Tagen wollte sie raus – Tür auf und Taube flog weiter.
    Wie das Innenleben des Wohnmobiles anschließend aussah, verschweige ich. 🙂

    Tauben werden häufig als „Ratten der Lüfte“ betitelt oder als angebliche (kann nicht beurteilen, ob es stimmt) Krankheitsüberträger.
    Fliegen sie nicht schnell genug in die Höhe, gleicht es ebenfalls einer Art Sport sie mit dem Auto zu erwischen.

    Ein Thema, was viele gar nicht beachten, da einmal Meinung immer Meinung. Deshalb freut mich Dein Kommentar sehr!

    @ Bettina, diese gute Idee solltest Du weiter geben… weiß nur nicht an wen!

  6. Diese Meinung teile ich.

    Kirche und Glaube ist ein Thema – ein unendliches Streitthema, was wir hier besser nicht anschneiden sollten, da ich mich ansonsten vergesse. 🙂

  7. Pingback: Brieftaube Fienchen « Katzen-Heimat-Blog

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