Wie alles begann (Teil 2)

Die Katzen wurden, nach zu dritt Überlegungen, wieder an selbiger Stelle frei gelassen. Im Grunde war es eine verkehrsberuhigte Ecke, die an Wochenenden lediglich von Anglern besucht wurde, wo der Rhein zur Not Wasser gab und an der es selbst an Wochentagen übersichtlichen Autoverkehr gab. Es galt lediglich die Versorgung zu verbessern und für Unterschlüpfe zu sorgen.

Aufgrund der aufgehängten Bitte meldeten sich zwei ältere Herren, die diese Tiere seit einigen Jahren fütterten. Nicht wirklich regelmäßig, jedoch bemüht. Futterschalen benutzen sie nicht, öffneten Dosen und legten das Futter auf den Boden, sei es bei Sonne, Regen oder Schnee, schließlich wollte man keinen Ärger, mit Hafen – oder Ordnungsamt. Die gesichteten Plastikschalen mussten somit von einem weiteren Tierfreund stammen, der sich jedoch nicht meldete.

Ein Futterhaus musste her, wo Näpfe und Wasser Platz finden konnten und vor Regen schützten. Aber das musste später in Angriff genommen werden, da Gespräche und die hoffentlich resultierende Erlaubnis noch einen langen Weg bedeuteten.

Die vielleicht vierzehnte Katze ging an einem Freitag in die Falle und wurde zum Tierarzt gebracht. Er operierte erst am folgenden Montag und stellte fest, dass dieses Tier vor kurzer Zeit Junge geworfen haben musste. Es war Oktober und mit so genannten Herbstkätzchen musste man rechnen. Keiner der beiden Herren hatte eine trächtige Katze bemerkt, obwohl die dreifarbige  „Glückskatze“ bekannt war.

Anschuldigungen, Aufregungen, Selbstzweifel waren groß. Ein Muttertier, mehrere Tage von ihren noch abhängigen Babys getrennt… Waren wir zu Mördern geworden, obwohl wir nur das Beste wollten?

Die Katze, die heutige „Muckel“, rannte wie ein Blitz davon, als sie frei gelassen werden konnte. Da jede Katze zwei Tage beim Tierarzt oder in einer vorübergehenden Unterkunft verbleiben muss, damit die Wunde zumindest etwas verheilt, verzögerte sich ihr Zurückkommen, zu ihren hoffentlich noch lebenden Kindern, bis zum Mittwoch.

Frau N. und ich besorgten bei Bauern Strohballen. Ein Tipp: Strohballen kosten dort nur 3-5 Euro. Kein Vergleich zu teuren, abgepackten Tüten, die es in Zoohandlungen etc. zu kaufen gibt.

Vorab hatte ich auf dem Nebengelände gefragt, was es mit dem einzelnen, übrig gebliebenen Gebäude auf sich hat und ob jemand etwas dagegen haben könnte, wenn Stroh für den kommenden Winter dort ausgelegt werden würde.

„Schlafende Hunde soll man bekanntlich  nicht wecken, also machen sie mal“, war die Antwort.

Wir überwanden abends einen Zaun und verteilten das Stroh zu einem Berg, der schnell von den Katzen angenommen wurde, was an den späteren Liegekuhlen zu erkennen war.

Katze Muckel versuchte ich zu beobachten, aber eine Katze lässt sich bekanntlich selten beobachten. Erst Wochen später sah ich sie und zwei kleine Katzen im Gebüsch sitzen. Zwei Junge hatten somit überlebt. Ob es noch andere gab, weiß nur sie. Sie waren alle drei sehr hungrig und aßen das gereichte Futter in Windeseile.

War es vor Tagen gedacht eine ruhige Ecke, sollte sich das bereits in Kürze ändern.

Ein freies Gelände, planiert und geteert, nur eine Halle ist übrig und das alles hat die Größe von ungefähr vier Fußballfeldern. Was will man mehr? Eine Stadt muss aus Nichts Viel machen und wenn ein Zirkus einen Standort sucht, dann tut man bekanntlich alles. Das unpassende, stehen gebliebene Gebäude wird mit Folie „unsichtbar“ gemacht, es werden Parkplätze errichtet und man gibt diese Planung an die Medien.

Katzen?

Es folgte eine chaotische Zeit, in der es für die Organisatoren um Kommerz ging. Verständnis, für dort lebende Tiere, konnte logischerweise niemand erwarten. Die Jungen von Muckel konnten jedoch trotzdem erfolgreich gefangen und anschließend gut vermittelt werden. Zwar waren sie beide schon fast  von ihrer Wildheit überzeugt, aber es klappte und „Bibi“ und „Hexe“ schafften den Absprung. Ob sie wollten, oder nicht…

Die restlichen Katzen kamen nur noch sporadisch, sie saßen unter neu arrangierten Gelegenheiten und warteten auf Futter. Am Gelände an sich, konnte  selbst eine Maus keinen Gefallen mehr finden.

Zwischenstand der Gefühle war Hilflosigkeit. Irgendwie kam mir David gegen Goliath in den Sinn.

Fortsetzung folgt…

Ein Kommentar zu “Wie alles begann (Teil 2)

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