Memorandum für Oskar

Heute, am 06.08. 2010  hat uns unser bester  spanischer Freund verlassen – unser Oskar.

Oskar war eine unverwechselbare Persönlichkeit, die es nicht noch einmal gibt. Ein ehemals schlecht versorgter und geprügelter Hund, der den Mut und seine Lebensfreude nie verlor.
Als Welpe lebte er bei zwei verschiedenen Familien, die weder Geduld mit seiner Entwicklung und resultierenden Gebaren hatten, noch  die Erfahrung oder das Interesse, was spezielle Ernährung anbelangt. Als  die zweite Familie die Lust verlor, wurde Oskar  zur Tierklinik  San Anton gebracht, mit der Forderung ihn einzuschläfern. Die Ärzte riefen die Finca Lucendum an – und Oskar wurde gerettet.

Eine aufregende Zeit begann, da Oskar seine Kumpel vermisste. Seinen menschlichen Familien trauerte er nicht hinterher, aber seinen vierbeinigen Freunden umso mehr.  Die Zäune der Finca waren im Prinzip gegen Ausreißer gesichert, aber Oskar fand immer einen Weg.  Gisela von der Finca Lucendum glaubte bald daran, dass dieser liebenswerte, hochintelligente Hund sogar fliegen könne.

Immer wieder wurde Oskar zum Glück gesichtet und Bekannte aus dem Dorf gaben der Finca Lucendum Bescheid, wo ihr Neuzugang sich gerade aufhielt. Oskar liebte es zu toben, zu spielen und das Leben zu genießen. Mädels und mit seinen Menschen kommunizieren, waren seine Hobbys und wäre er ein Mensch gewesen,  hätte man ihn einen „Sunnyboy“ der Klasse Frank Sinatra genannt.

Irgendwann tobte er zu sehr und ein unvergesslicher Schrei bohrte sich in viele Ohren. Oskar hatte sich sein rechtes Vorderbein gebrochen, doch nicht nur einmal, sondern gleich dreimal. Kalkmangel aufgrund der Mangelernährung war die Ursache, so dass das Beinchen nicht mehr zu retten war und amputiert werden musste.

Oskar störte das wenig. Er tobte, spielte weiterhin für sein Leben gern,  liebte  Bälle, Mädels und auserwählte Menschen.  Eines Tages geriet er in einen Streit, der ihm um Haaresbreite ein Auge gekostet hätte und überhaupt… Oskar lebte sehr gefährlich. Manchmal mit 75 Hunden zusammen, die auf der Finca Zuflucht fanden und von dort aus in ein ausgewähltes Zuhause vermittelt werden konnten. Täglich hätte ihm etwas zustoßen können und täglich bangte jeder um Oskar, doch dieser Haudegen wollte sich nie in Watte packen lassen.

Oskar blieb auf der Finca,  er schlief  sogar in Giselas Bett,  obwohl man schon überlegte, ob eine Vermittlung nicht besser für ihn sei. Doch Paulinchen, seine Freundin von Anfang an, würde ohne ihn kaum leben können. Und Carlos, sein bester Kumpel, was würde er ohne seinen Oskar tun? Was würde die Finca Lucendum ohne Oskar tun? Ist er doch einer von denen, die zu forsche Neuankömmlinge in die Schranken weisen und den eingeschüchterten Neuen behilflich sind.
Oskar = unabkömmlich!

So vergingen die Jahre und es waren nicht einmal viele, denn Oskar war erst ungefähr acht Jahre alt, als sich Alterserscheinungen bemerkbar machten und die ersten Schmerzmittel gegeben werden mussten. Schmerzen aufgrund einseitiger Belastung, Schmerzen durch Athrose, wahrscheinlich auch durch die frühere Ernährung mit wenigen Essensresten verursacht.

Oskar wurde ruhiger, aber nie phlegmatisch. Er hatte alles im Griff, alles im Blick, er war der freundlichste Finca Herr, den es je gab. Den Rest konnte Antonia oder Simon, Bonnie Blue oder Paulinchen erledigen.

Heute  rief mich Gisela weinend aus Spanien an, dass sie Oskar erlösen lassen musste. Er saß  mit schmerzhaft gekrümmten Rücken vor ihr und sah sie an. Oskar sah niemals nur an,  er sprach mit seinen Blicken Bände. Gisela fuhr sofort mit ihm zur Klinik, wo er seinerzeit gerettet wurde. Oskar wurde unter Narkose geröntgt, mehrere Fachärzte waren dabei, da es  um – unser aller  – Oskar ging.

Es gab wenig Hoffnung, im Grunde keine,  das Röntgenbild ließ erkennen , dass die Knorpel zwischen den Wirbeln stark abgenutzt oder nicht mehr vorhanden waren. Der tapfere Kerl  musste schon lange sehr große Schmerzen gehabt haben.

Das sind die grausamen Fälle im Leben, wenn überlegt werden muss: Operieren und schauen was wird, oder erlösen. Schwierig und grausam, einem  „fremden“ Menschen in dem Moment zu vertrauen. Wie gerne würde man sich  dieser Gedankenflut entziehen und Stunden , Tage, möglichst  Wochen darüber nachdenken. Möglichst beiseite schieben, eventuell andere Ärzte konsultieren… aber all das funktioniert nicht, da die Entscheidung  Jetzt und Hier getroffen werden muss.

So trafen sämtliche Fachärzte der Klinik mit Oskars  Frauchen diese enorm schwierige Entscheidung. Statt diesem Kämpfer noch mehr Schmerzen zuzumuten,  sollte er weiter schlafen.

In großer Liebe, mein Freund Oskar

Deine Sabine

4 Kommentare zu “Memorandum für Oskar

  1. Ich lese aus dem Beitrag, dass ein Hund, der seinen ersten Besitzern nichts Wert war, dank Gisela und anderen Tierfreunden acht Jahre alt wurde und dass er bei allen, die Hunden wohlgesonnen sind, mit seinem Wesen einen bleibenden Eindruck, Liebe hinterlassen hatte. Leute, die so achtlos mit ihren Tieren umgehen, wissen einfach nicht, was ihnen da entgeht.

  2. Ja, das stimmt, Bettina. Oskar wird vielleicht noch etwas älter gewesen sein, aber das weiß nur er selbst. Speziell Tiere aus dem Tierschutz sind unvergleichlich treu, dankbar und anhänglich. Es lohnt sich immer, ein Tier aus dem Tierheim zu nehmen oder eben aus dem Ausland, auch wenn der Auslandstierschutz bei vielen verpönt ist. Kommt immer auf die jeweiligen Organisationen an.
    Für die Finca Lucendum lege ich beide Hände ins Feuer und sie wird momentan unsachgemäß angegriffen – worüber es hier in Kürze einen Klartext zu lesen geben wird.

  3. Pingback: In Erinnerung an Mimo oder – die Geschichte von Old- Jacky « Katzen-Heimat-Blog

  4. Jetzt kenne ich auch endlich mal die ganze Geschichte von Oskar, hast ja schon ein paarmal andeutungsweise von ihm erzählt.
    Auf jeden Fall ein trauriges Ende für den kleinen Draufgänger, aber was zählt und bleibt ist doch, dass er sein Leben auf der Finca wirklich geniessen konnte und das auch getan hat!
    Dein Freund wird er immer bleiben!!!
    Liebe Grüße,
    Sylvia

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